11.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Experten warnen vor Flickwerk bei Schäden am Reisemobil
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Experten raten auch bei kleinen Schäden an Wohnmobilen von selbst gewählten Hilfsmitteln ab. Sie führen das auf die besonderen Konstruktionen der Fahrzeuge zurück.
Eine gute Nachricht für Besitzer von Reisemobilen lautet: Schwere Unfälle mit Personenschäden sind bei solchen Fahrzeugen eher selten - schließlich sind die meisten Fahrer recht entspannt unterwegs und haben auch schon einige Erfahrung gesammelt.
Die schlechte Nachricht: Es kann trotzdem immer wieder zu einem auf den ersten Blick eher leichten Unfall kommen, etwa wenn der Hintermann im Stau auffährt oder beim Rangieren ein Hindernis im Weg steht. Das Problem besteht dann jedoch darin, dass im Hinblick auf Reparaturkosten und Aufwand bereits eine vergleichsweise kleine Rempelei ein großes Problem werden kann. Mit ein wenig Flickarbeit ist es bei der Schadensausbesserung oft nicht getan - vielmehr müssen nicht selten große Teile des Wohnaufbaus ausgetauscht werden.
«Es kann nach einem Bagatellunfall so aussehen, als hätte der Aufbau nur einen Kratzer abbekommen - tatsächlich handelt es sich aber um einen Riss», betont Ralph Binder, Sprecher des Caravaning Industrie-Verbands (CIBD) in Frankfurt/Main. Durch den Riss kann dann der große Feind eines Wohnaufbaus nach und nach eindringen: Wasser.
Styropor und Holz in vielen FahrzeugenBeim Aufbau eines Reisemobils handelt es sich nicht um eine Konstruktion, die beispielsweise der Außenhaut eines Personenwagens aus reinem Blech ähnelt. Vielmehr finden sich je nach Hersteller zahlreiche unterschiedliche Materialien, die entweder für die nötige Stabilität oder für die gewünschte Isolierung gegen Wind und Wetter sorgen. «Von der Bauweise her wird in vielen Fahrzeugen unter anderem Styropor und Holz verarbeitet, bei anderen Modellen werden die Teile im Ganzen gegossen und verarbeitet», sagt Viktoria Groß, Sprecherin des Deutschen Camping-Clubs (DCC) in München.
In der Regel ist damit zu rechnen, dass sich zwischen Außenhaut und Innenwand eine 40 bis 45 Millimeter dicke Isolationsschicht befindet. In diese Schicht kann schon durch den kleinsten Haarriss Wasser eindringen, das auf Dauer für bleibende Schäden durch Fäulnis oder Schimmel sorgt.
Unterschiedlicher Aufbau der FahrzeugeWenn so ein eigentlich winziger Schaden auftritt, ist es nur in wenigen Fällen damit getan, die Öffnung mit selbst gewählten Hilfsmitteln abzudichten. Zuerst ist darauf zu achten, wie der Aufbau gefertigt ist. «Der Markt teilt sich dabei derzeit in zwei Bereiche», sagte Lothar Angermund, Camping-Experte des ADAC in München. «Der eine Bereich ist der traditionelle Aufbau mit einer Beplankung aus einem Millimeter dickem Aluminium, den anderen Bereich bilden Aufbauten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK).»
Das Material ist ein Hinweis darauf, wie bei der Reparatur vorzugehen ist. «Bei GFK können zumindest kleine Löcher auch punktuell bearbeitet werden.» Wie es bei Metall-Außenhäuten aussieht, beschreibt der Hersteller Hymer in Bad Waldsee (Baden-Württemberg): Bei sogenannten Glattblech-Aufbauten werden kleine Schäden gespachtelt und lackiert. Bei Oberflächen in Hammerschlag-Optik wiederum wird zu einem speziellen Verfahren gegriffen: Hier wird bei Kleinschäden zunächst ein Abdruck der Oberfläche gemacht, das Material an der Schadstelle dann aufgefüllt und lackiert.
Oft sind die Reparaturen aufwendigVersuche beim Allianz Zentrum für Technik (AZT) in München haben die Eignung dieses Reparaturverfahrens bestätigt. «Das ist absolut dicht», sagt Frank Halke, Referent für Caravan-Technik. Nach seinen Angaben lassen sich Streifschäden bis 50 Zentimeter und bis zu 15 Zentimeter große Dellen damit ausbessern. Nach Hymer-Angaben ist dies jedoch nicht möglich, wenn sich die Schäden in der Nähe von Türen, Fenstern oder sonstigen Einbauten befinden - und davon gibt es bei Reisefahrzeugen einige. Stattdessen kommt in solch einem Fall eine von Hymer entwickelte Reparaturmethode zum Einsatz, mit deren Hilfe das Fahrzeug neu «verblecht» wird.
Nicht selten sind Reparaturen sogar noch aufwendiger. Denn die besonderen Konstruktionen eines Reisemobils können zu speziellen Schäden führen. «Ein Beispiel dafür ist ein klassischer Auffahrunfall, der die rechte hintere Ecke des Fahrzeugs trifft», sagt Ralph Binder. Dann ist nicht nur die Ecke beschädigt: Vielmehr trifft so ein Aufprall in der Regel gleichzeitig die einteilige rechte Seitenwand, die ebenfalls aus einem Teil gefertigte Rückwand, und auch das aufgesetzte Dach kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Weil Ausbesserungsreparaturen im Hinblick auf die Dichtigkeit des Fahrzeugs aber eher die Ausnahme sind, kann die Folge ein nötiger Austausch aller beschädigten Wände und des Dachteils sein.
Hohe Werkstattrechnungen nach UnfallMehr noch: «Bei einem stärkeren Zusammenprall kann sich der gesamte Aufbau verspannen und verschieben», sagt Lothar Angermund. Mit der Folge, dass der eigentlich so harmlos wirkende Unfall entweder zu hohen Werkstattrechnungen führt oder sich nicht selten sogar als wirtschaftlicher Totalschaden des Fahrzeugs entpuppt.
Nicht immer aber kommt die Gefahr in Form eines anderen Verkehrsteilnehmers auf das Reisefahrzeug zu. Typisch sind nach Aussagen der Fachleute auch Unfälle, bei denen der Fahrer zum Beispiel die Höhe des Alkovens unterschätzt - um sich dann später zu wundern, wie ein dicker Ast oder gar eine Dachrinne in das Material geraten konnte. Erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht kann hier helfen, vierstellige Summen für eine Reparatur zu sparen. (Von Heiko Haupt, dpa)