Verheerende Öko-Bilanz für Raps-Diesel
Crutzen und drei weitere Wissenschaftler arbeiteten in der Fachpublikation Atmospheric Chemistry and Physics heraus, dass Biodiesel aus Raps bis zu 1,7 Mal schädlicher für das Klima sein kann als herkömmliches Benzin. Im besten Fall ist der Treibhaus-Effekt gleich groß.
Der Weltklimarat IPCC legte seinen Berechnungen einen drei- bis fünffach geringen Ausstoß von Lachgas bei der Herstellung von Biosprit zu Grunde, wie die Forscher anmerkten. Dabei klingt es doch eigentlich verlockend: Theoretisch könnten pflanzliche Energieträger zu Emissionsminderungen beitragen, da bei ihrer Verbrennung lediglich so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie die Pflanze für ihr Wachstum der Luft entzogen hat. Doch dieser positive, «klimaneutrale» Effekt wird der Studie zufolge von den negativen Effekten mehr als wettgemacht.
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies kürzlich auch die gravierende Folgen für die Landwirtschaft hin, wenn - wie von vielen Regierungen geplant - die Produktion von Biokraftstoffen drastisch gesteigert werden soll.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Einsatz von Biomasse bei der Kraft-Wärme-Kopplung viel mehr für den Klimaschutz bringe. Das gelte sogar für die Kraftstoffe der zweiten Generation, bei deren Herstellung auch Rest- und Abfallstoffe verarbeitet werden.
Trotz aller Skepsis setzt die Politik auf den Sprit aus Pflanzen: Europaweit sollen Biokraftstoffe bis 2020 einen Anteil von zehn Prozent am gesamten Benzin- und Dieselverbrauch haben, Deutschland will mindestens zwölf Prozent schaffen. Derzeit sind es weniger als fünf Prozent.
BBK-Geschäftsführer Martin Tauschke betont, dass es noch keinen umfassenden Vergleich der Ökobilanzen von Biodiesel und fossilem Kraftstoff gebe. Dieser müsse Umweltbelastungen wie das Abfackeln von Gas bei der Ölförderung und Umweltrisiken berücksichtigen und würde sicher zugunsten der Biotreibstoffe ausfallen, meint der Lobbyist. (Uwe Gepp, AP)

