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Verheerende Öko-Bilanz für Raps-Diesel

09. Okt 2007 12:46

Gar nicht Öko: Biodiesel
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Foto: dpa
Eine weitere Studie unterstreicht die fragwürdige Umweltfreundlichkeit von Biokraftstoffen. Raps-Diesel ist demnach fast doppelt so klimaschädlich wie herkömmlicher Kraftstoff.
Eine Studie unter Beteiligung von Nobelpreisträger Paul Crutzen hat die Diskussion über den Einsatz von Biokraftstoffen zum Klimaschutz neu angefacht: Ein Forscherteam um den ehemaligen Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie fand heraus, dass die Klimabilanz der alternativen Treibstoffe deutlich schlechter ist als bislang angenommen.

Crutzen und drei weitere Wissenschaftler arbeiteten in der Fachpublikation Atmospheric Chemistry and Physics heraus, dass Biodiesel aus Raps bis zu 1,7 Mal schädlicher für das Klima sein kann als herkömmliches Benzin. Im besten Fall ist der Treibhaus-Effekt gleich groß.

Klimakiller Lachgas

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  • Grund ist die Düngung mit Stickstoff, der zum Teil als Lachgas (Distickstoffmonoxid) in die Atmosphäre gelangt. Der Stoff ist jedoch ein um den Faktor 300 stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid und damit ein echter Klimakiller.

    Der Weltklimarat IPCC legte seinen Berechnungen einen drei- bis fünffach geringen Ausstoß von Lachgas bei der Herstellung von Biosprit zu Grunde, wie die Forscher anmerkten. Dabei klingt es doch eigentlich verlockend: Theoretisch könnten pflanzliche Energieträger zu Emissionsminderungen beitragen, da bei ihrer Verbrennung lediglich so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie die Pflanze für ihr Wachstum der Luft entzogen hat. Doch dieser positive, «klimaneutrale» Effekt wird der Studie zufolge von den negativen Effekten mehr als wettgemacht.

    Gravierende Folgen

    Besser sieht die Bilanz bei Ethanol aus Zuckerrohr aus, wie es in großem Maßstab etwa in Brasilien angebaut wird. In Deutschland ist aber vor allem Raps von Bedeutung, was etwa Experten des Umweltbundesamts oder des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) unter Verweis auf die Energiebilanz und den Flächenverbrauch schon lange kritisch sehen.

    Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies kürzlich auch die gravierende Folgen für die Landwirtschaft hin, wenn - wie von vielen Regierungen geplant - die Produktion von Biokraftstoffen drastisch gesteigert werden soll.

    «Die Energiebilanz stimmt insgesamt nicht»

    Der BUND und das Umweltbundesamt fordern eine Abkehr von der Politik, die so genannten Biokraftstoffe der ersten Generation zu fördern. Biomasse müsse effektiver genutzt werden, verlangt der BUND-Energieexperte Thorben Becker. «Die Energiebilanz stimmt insgesamt nicht.»

    Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Einsatz von Biomasse bei der Kraft-Wärme-Kopplung viel mehr für den Klimaschutz bringe. Das gelte sogar für die Kraftstoffe der zweiten Generation, bei deren Herstellung auch Rest- und Abfallstoffe verarbeitet werden.

    Trotz aller Skepsis setzt die Politik auf den Sprit aus Pflanzen: Europaweit sollen Biokraftstoffe bis 2020 einen Anteil von zehn Prozent am gesamten Benzin- und Dieselverbrauch haben, Deutschland will mindestens zwölf Prozent schaffen. Derzeit sind es weniger als fünf Prozent.

    Bio-Lobby betont Energiesicherheit

    Mehr im Internet:
    Auch US-Präsident George W. Bush setzt auf Ethanol, um sein Ziel zu erreichen, den Benzinverbrauch in seinem Land in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent zu senken. Der Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK) weist darauf hin, dass nicht nur Umweltschutzgründe für den Einsatz von Biosprit spreche, sondern auch Fragen wie etwa die Energiesicherheit.

    BBK-Geschäftsführer Martin Tauschke betont, dass es noch keinen umfassenden Vergleich der Ökobilanzen von Biodiesel und fossilem Kraftstoff gebe. Dieser müsse Umweltbelastungen wie das Abfackeln von Gas bei der Ölförderung und Umweltrisiken berücksichtigen und würde sicher zugunsten der Biotreibstoffe ausfallen, meint der Lobbyist. (Uwe Gepp, AP)



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