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Detroits Abstieg ist noch lange nicht beendet

26. Jan 2007 11:52

Ford-Hauptsitz in Dearborn
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Foto: dpa
Zehntausende Mitarbeiter wurden entlassen, Fabriken geschlossen und die Zulieferer bis hin zur Pleite ausgepresst. Motor-City Detroit steckt in der wohl tiefsten Krise seit mehr als 100 Jahren.
Von Marcus Gatzke

Von den 49 Ballungsräumen mit mehr als einer Million Einwohner in den USA hat die Region Detroit-Warren-Livonia mit die höchste Arbeitslosigkeit. Die Quote liegt seit Jahren deutlich über dem Durchschnitt in den Vereinigten Staaten. Im November 2006 betrug sie 6,8 Prozent - im gesamten Land lag sie bei 4,5 Prozent.

Die Region lebt seit Jahrzehnten zu einem großen Teil von nur einem Produkt: Autos. Vor knapp 100 Jahren - um genau zu sein 1909 – begann Henry Ford in Detroit mit der Massenproduktion seines Model T – bis heute ist die Stadt auch unter dem Namen «Motor City» bekannt.

Fast 13 Milliarden Verlust

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Detroits Schlüsselbranche steckt seit mehreren Jahren in einer tiefen und einschneidenden Krise. War das Model T noch ein Verkaufsschlager, obwohl es ihn nur in einer Farb-Variation gab («You can paint it any color, so long as it's black»- Henry Ford über das Model T), muss das gleiche Unternehmen für das vergangene Jahr einen Rekordverlust von 12,7 Milliarden Dollar ausweisen – das höchste Minus in der 103-jährigen Firmengeschichte.

Aber nicht nur Ford, auch die anderen beiden der «Big Three» in den USA stecken in der Krise – wenn auch unterschiedlich tief. General Motors (GM), Chrysler und Ford haben gemein, dass sie 2006 mit einem dicken Minus beenden. Die Kosten sind trotz der schon ergriffenen harschen Einschnitte immer noch hoch, und die Rate, mit der das Geld in den Unternehmen verbrannt wird, erheblich.

Alte Rezepte noch ohne Erfolg

Ford rechnet damit, dass in den kommenden drei Jahren weitere 17 Milliarden Dollar im Konzern verbrannt werden. General Motors gab am Donnerstag bekannt, die Veröffentlichung der Zahlen zum vierten Quartal zu verschieben – Hintergrund sind Unregelmäßigkeiten in der Bilanz. 2005 wies GM ein Minus von 10,6 Milliarden Dollar aus. Das Unternehmen rechnet jedoch im Gegensatz zu Ford schon 2007 wieder mit schwarzen Zahlen. Bei Ford soll die Wende zum Plus erst 2009 erreicht werden.

Allein Ford hat sich von 30.000 Arbeitern getrennt – bei General Motors sind es mehr als 37.000. Beide machten zudem eine Vielzahl von Werken dicht. Der dritte im Bunde, der amerikanische Arm von DaimlerChrysler, will im Februar sein Programm zur Kostensenkung vorstellen. Erst im September hatte die schlechte Entwicklung in den USA DaimlerChrysler zu einer deutlichen Gewinnwarnung gezwungen.

Die alten Rezepte - Stellen abbauen, Fabriken schließen und Kosten senken – sind nicht mehr ausreichend, um der Krise Herr zu werden. Einige der größten Zulieferer wurden von den Auto-Konzernen so stark unter Druck gesetzt günstiger zu produzieren, dass sie Insolvenz anmelden mussten.

Bei Ford ist die Krise so groß, dass talentierte Manager das Unternehmen in Scharen freiwillig verlassen. Vorstandschef Alan Mulally denkt jetzt sogar darüber nach, Boni für die Führungskräfte auszuzahlen, um den Abfluss an Talent zu stoppen. Er wird es aber schwer haben, diesen Schritt der Belegschaft zu erklären, die zu einem drastischen Verzicht bereit war, um die ausufernde Krise zu stoppen.

Toyota nutzt die Gunst der Stunde

Alan Mulally (l.) und Bill Ford
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Foto: dpa
Neben den Kosten stecken die «Big Three» - die eigentlich schon lange die «Big Four» sind, da Toyota die Krise der Konkurrenz geschickt genutzt hat, massiv Marktanteile in den USA zu gewinnen - aber noch in einer anderen Falle. Der harte Wettbewerb hat die Unternehmen in den vergangenen Jahren zu massiven Zugeständnissen bei den Kunden gezwungen. Null-Zins-Finanzierungen und andere finanzielle Anreize beim Kauf eines Neuwagens sind an der Tagesordnung – sie drückten aber direkt auf die Marge.

Jetzt sind die Kunden so an diese Rabatte gewöhnt, dass sie nicht mehr darauf verzichten wollen. Versuche, die Angebote langsam wieder vom Markt verschwinden zu lassen, schlugen fehl. Die Kunden-Bindung an einzelne Marken war einfach zu gering – der Preis alles entscheidend.

Die Händler haben im Unterschied zur Vergangenheit auch zunehmend gleich die Modelle mehrerer Hersteller zum Verkauf stehen. Damit sind die Preise viel direkter miteinander vergleichbar. Im Schaufenster stehen dann nicht nur der Chrysler und der Ford, sondern auch die Modelle von Toyota und Honda, und die sind oft günstiger und verbrauchen fast immer deutlich weniger Benzin. Sogar in Amerika hat der hohe Ölpreis die Kunden sensibel für den Benzinverbrauch gemacht. Die Pick-Ups - Verkaufsschlager der Vergangenheit - wurden zu Ladenhütern.

Trotz allen Schwierigkeiten bleiben die Konzerne optimistisch – oder vielleicht ist es auch nur Sarkasmus, wenn Ford-Chef Mulally sagt: «Wir sind auf keinen Fall frustriert. Wir versuchen, mit der Situation fertig zu werden und setzen alle Hebel in Bewegung.»



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