netzeitung.deChinas Autohersteller auf dem Vormarsch

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Ein Geely (Foto: Werk<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Geely
Foto: Werk
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die chinesischen Automobilhersteller rüsten auf. Allerdings scheitert der Export einheimischer Modelle hauptsächlich an Qualitäts- und Sicherheitsstandards - noch.

Von Andreas Landwehr

«Früher haben wir über die Japaner gelacht, als sie mit ihren ersten Autos kamen», sagte ein deutscher Automanager. «Ich hoffe, wir sind bei den Chinesen schlauer.» Zwar stellen chinesische Automodelle in Europa und den USA heute noch keine Konkurrenz dar, doch sei es «nur eine Frage der Zeit»: Fünf Jahre, dann kommen die Autoexporte aus China, so lautet die Schätzung in der Chef-Etage eines führenden europäischen Autokonzerns. Chinas Autobauer wissen sehr wohl um ihre Schwächen und warten noch mit dem Markteintritt in Europa und den USA - doch nach 2010 wollen sie so weit sein. «Die Chinesen werden kommen, kein Zweifel», sagte der Manager in Peking.

Platz zwei im Visier
Wenn sich vom Wochenende an die Autokonzerne der Welt, ihre chinesischen Partner und Konkurrenten auf der «Auto China 2006» in Peking präsentieren, haben sie gleichwohl noch den chinesischen Markt im Blick. In China werden heute schon mehr Personenwagen verkauft als in Deutschland. Über Jahre soll das Wachstum zweistellig bleiben. Der drittgrößte Pkw-Markt will nächstes Jahr auch Japan überholen und auf Platz zwei - nach den USA - vorrücken. Nach 27 Prozent Wachstum im Vorjahr, stieg der Absatz von Personenwagen in der ersten Jahreshälfte um 46 Prozent, berichtete die Unternehmensberatung KPMG.

Als China 2001 der Welthandelsorganisation (WTO) beitrat, bangten viele um die chinesischen Hersteller. «Doch fünf Jahre nach dem WTO- Beitritt haben die heimischen Marken nicht nur überlebt, sondern entwickeln sich prächtig», schrieb KPMG. Ihr Anteil habe sich von 14 Prozent vor zwei Jahren auf 28 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahres verdoppelt - vor allem in dem Sektor, der am schnellsten wächst: kleine und billige Autos. Die führenden Hersteller Chery und Geely allein haben einen Marktanteil von 12,5 Prozent erobert.

Steigender Export
Der viel belächelte Billiganbieter Chery will auf der Messe in Peking sogar das erste heimische Hybrid-Auto vorstellen. Mit DaimlerChrysler verhandelt Chery ferner über die Produktion eines Dodge für den amerikanischen Markt. Eine solche Export-Kooperation mit dem Premium-Hersteller käme einem «Ritterschlag» gleich und wäre ein Durchbruch für China.

Bisher sind die Ausfuhren noch gering, steigen aber schnell: 2004 waren es 10.000 Autos, 2005 schon 32.000. In diesem Jahr soll es doppelt so viel werden. Im Vorjahr exportierte vor allem Honda seinen «Jazz»-Modell und Chery den Kleinwagen «QQ», eine freche Kopie des Chevrolet «Spark» von General Motors.

Billig allein genügt nicht
«Zu den größten Hürden für heimische Hersteller, die nach Übersee blicken, gehört es, die Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu heben, Marken zu bilden und ein Vertriebs- und Servicenetz aufzubauen», stellte KPMG fest. Reinfälle wie mit dem «Landwind»-Jeep von Jiangling, der beim ADAC-Crash-Test so schlecht wie kein anderer abgeschnitten hatte, gilt es zu vermeiden. Denn der Kostenvorteil allein macht in Europa noch kein Konkurrenzprodukt - auch Sicherheit, Qualität und Design müssen stimmen.

Noch tummeln sich auch zu viele Autoproduzenten im Reich der Mitte. Es wird eine Konsolidierung auf wenige große Konzerne erwartet. Stark dürfte der Volkswagen-Partner Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) werden, der sich wie andere staatliche Autounternehmen mit Exportplänen zurückhält. Vor wenigen Wochen stellte der zweitgrößte Autokonzern Chinas mit dem Modell «Roewe 750» seine Weiterentwicklung des «Rover 75» vor. Technologie und Design waren von dem Pleite gegangenen britischen Traditionsunternehmen Rover aufgekauft worden. Für SAIC ist es der erste Schritt zu einer eigenen Marke, um es irgendwann mit den Großen der Welt aufzunehmen. (dpa)