Chinas Autohersteller auf dem Vormarsch
«Früher haben wir über die Japaner gelacht, als sie mit ihren ersten Autos kamen», sagte ein deutscher Automanager. «Ich hoffe, wir sind bei den Chinesen schlauer.» Zwar stellen chinesische Automodelle in Europa und den USA heute noch keine Konkurrenz dar, doch sei es «nur eine Frage der Zeit»: Fünf Jahre, dann kommen die Autoexporte aus China, so lautet die Schätzung in der Chef-Etage eines führenden europäischen Autokonzerns. Chinas Autobauer wissen sehr wohl um ihre Schwächen und warten noch mit dem Markteintritt in Europa und den USA - doch nach 2010 wollen sie so weit sein. «Die Chinesen werden kommen, kein Zweifel», sagte der Manager in Peking.
Als China 2001 der Welthandelsorganisation (WTO) beitrat, bangten viele um die chinesischen Hersteller. «Doch fünf Jahre nach dem WTO- Beitritt haben die heimischen Marken nicht nur überlebt, sondern entwickeln sich prächtig», schrieb KPMG. Ihr Anteil habe sich von 14 Prozent vor zwei Jahren auf 28 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahres verdoppelt - vor allem in dem Sektor, der am schnellsten wächst: kleine und billige Autos. Die führenden Hersteller Chery und Geely allein haben einen Marktanteil von 12,5 Prozent erobert.
Bisher sind die Ausfuhren noch gering, steigen aber schnell: 2004 waren es 10.000 Autos, 2005 schon 32.000. In diesem Jahr soll es doppelt so viel werden. Im Vorjahr exportierte vor allem Honda seinen «Jazz»-Modell und Chery den Kleinwagen «QQ», eine freche Kopie des Chevrolet «Spark» von General Motors.
Noch tummeln sich auch zu viele Autoproduzenten im Reich der Mitte. Es wird eine Konsolidierung auf wenige große Konzerne erwartet. Stark dürfte der Volkswagen-Partner Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) werden, der sich wie andere staatliche Autounternehmen mit Exportplänen zurückhält. Vor wenigen Wochen stellte der zweitgrößte Autokonzern Chinas mit dem Modell «Roewe 750» seine Weiterentwicklung des «Rover 75» vor. Technologie und Design waren von dem Pleite gegangenen britischen Traditionsunternehmen Rover aufgekauft worden. Für SAIC ist es der erste Schritt zu einer eigenen Marke, um es irgendwann mit den Großen der Welt aufzunehmen. (dpa)

