28.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Gruppenbild: Ford Mondeo (h.) und VW Passat
Foto: Press-Inform
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Ford Mondeo 2.2 TDCi überzeugt mit seinem starken Motor. Allerdings ist das Aggregat nicht auf der Höhe der Zeit - was letztlich doch für den VW Passat 2.0 TDI spricht.
Von Stefan GrundhoffWolfsburg oder Köln? Ford oder VW? Für die einen eine Weltanschauung für andere ein ganz normaler Vergleich in der Mittelklasse. Wer ist besser? Der neue Passat oder der neue alte Mondeo?
Beim Schlüssel die Nase vornDer Auftakt geht an Volkswagen. Mit diesem Zündschlüssel scheint sich die Designabteilung ein halbes Jahr befasst zu haben. Hat sich gelohnt - kein Bart, kein billiges Plastik, sondern ein Designtaster, der beim abendlichen Ausflug ins Nachtleben einiges her macht. Da lässt man den Kölner Öffner lieber in der Tasche.
Beim Design hat der Passat ebenfalls die Nase vorn nicht nur weil er der Neuere der beiden ist. Wer zweimal hinschaut erkennt Sicken, Kanten und Linien, die auch einem BMW Z4 hätten entspringen können. Beim Ford Mondeo gibt es dagegen seit Jahren solide Hausmannskost. Nicht langweilig, aber beide Modellpflegen haben am äußeren nur wenig verändert. Angesichts der starken Konkurrenz in der Mittelklasse hätte man hier mehr riskieren sollen.
Commonrail gehört die ZukunftIn der volumenstarken Mittelklasse geben Dieselaggregate seit längerem den Ton an. Auch wenn das Ende naht, setzt VW nach wie vor auf Pumpe-Düse-Technik. Mittelfristig werden die Niedersachsen ebenfalls auf Commonrail setzen, womit der Mondeo bereits unterwegs ist. Das Ford-Aggregat macht den besseren Eindruck. Der bekannte Zweiliter-TDCi-Motor wurde aufgebohrt leistet mit 2,2 Litern nun 114 kW/155 PS und bis zu 400 Nm. Beim Tritt aufs Gas geht es an der Vorderachse spürbar rund. Doch bei trockener Fahrbahn bringt der Fronttriebler die Kraft sicher auf die Straße und erfreut mit grandiosem Durchzug.
Das Sechsganggetriebe wurde sehr gut auf das breite Drehzahlband abgestimmt. Den Spurt 60 auf 100 km/h schafft der 1,5 Tonnen schwere Kölner in beeindruckenden 5,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h. Trotzdem lässt er sich mit Verzicht auf Vollgasorgien mit 6,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer fahren. In der Umweltwertung gibt es Abzüge. Ein Partikelfilter kommt erst im kommenden Frühjahr - gegen Aufpreis; Euro4 ist Serie.
Passat punktet durch UmweltbewusstseinHier gibt sich der Passat keine Blöße. Zwar kostet der Filter 565 Euro Aufpreis, aber Euro4 ist Standard. Dafür bietet der VW den deutlich schlapperen Motor. Nicht, dass man das Gefühl hätte träge zu sein, aber der Mondeo kann einfach mehr. Der Zweiliter-TDI des Passat leistet 103 kW/140 PS und 320 Nm Drehmoment bei 1800 U/min. Subjektiv spürt der Fahrer gegenüber dem Ford ein deutliches Leistungsminus. Das Getriebe ist ebenfalls nicht so präzise und die Fahrleistungen liegen deutlich hinter seinem Konkurrenten; der Verbrauch mit 7,1 Litern pro 100 km dagegen auf Augenhöhe. 0 auf 100 km/h in knapp zehn Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 207 km/h lassen einen bereits an die 170-PS-Dieselversion des Passat denken, die in wenigen Monaten folgen soll.
Stöße werden durchgereichtBeim Fahrwerk gibt sich keiner eine Blöße. Beide sind auf 17-Zoll-Felgen mit Breitreifen unterwegs. Das macht die Fahrwerksabstimmung noch eine Spur straffer passt aber gut. Schließlich hat das familiäre Duo auch in punkto Dynamik einiges zu bieten. Ford und VW mögen allzu kurze Stöße nicht leiden. Das gibt Abzüge. Die Lenkungen arbeiten leichtgängig und präzise, die Bremsen sind kräftig. Nicht nur Komfortfans sollte die halbautomatische Feststellbremse des Passat erfreuen. Trotzdem gibt es in dieser Disziplin ein totes Rennen. Ebenso bei der Sicherheit. Beide bieten zahlreiche Airbags und ESP.
Viel Platz im InnenraumBesonders wichtig sind bei einer Mittelklasselimousine Platzangebot und Komfortausstattung. Beide überzeugen mit üppigen Dimensionen. Der Ford Mondeo misst üppige 4,73 Meter; der neue Passat noch zwei Zentimeter mehr. In beiden Modellen haben bis zu fünf Personen Platz. Wolfsburg und Köln Hand in Hand: Die Sitze sind angenehm konturiert und machen Lust auf Langstreckentouren. Das ist im Fond nicht anders. Bein-, Kopf- und Schulterfreiheit sind fast auf Oberklasseniveau. Reichen die mächtigen Kofferräume (450 Liter im Ford und 565 Liter im Passat) für größere Transporte nicht aus, können die Rückbänke mit wenigen Handgriffen umgeklappt werden.
Im Innern haben beide ihre Stärken. Dem Mondeo haben die jüngsten Überarbeitungen gut getan. Hier und da nervt noch immer billiges Plastik, aber die Bedienelemente sind ordentlich platziert und die Materialien machen insgesamt einen ordentlichen Eindruck. Dabei wird die Mittelkonsole dominiert vom mächtigen Bildschirm, über den Navigation, Soundsystem, Klimaautomatik und Telefon gesteuert werden können. Ärgerlich: Das Navigationssystem kann nur im Stand bedient werden. Zu tief angeordnet sind die Schalter für Sitzheizung, Sitzlüftung und ESP.
Beim Passat sind die zentralen Bedienelemente in der Mittelkonsole etwas höher und griffgünstiger platziert; die Instrumente wirken wertiger. Dabei arbeitet die Klimatisierung besser als beim Mondeo; jedoch ist die Arbeitsgeschwindigkeit des Navigationssystems aus dem letzten Jahrzehnt. DVD-Systeme von heute arbeiten präziser und schneller. Einen Extrapunkt gibt es für den 220-Volt-Stromanschluss (Aufpreis 106 Euro) im Fond. Praktisch nicht nur für Handy- und Notebook-Traveller. Familien und Vielfahrer sollten an beiden Modellen ihre Freude haben.
Ford muss nachlegenDas gilt auch für die Preise. Ein Ford Mondeo 2.2 TDCi Trend kostet als Fünftürer 26.650 Euro. Sinnvoll bleiben DVD-Navigation (2.095 Euro), Xenolicht (840 Euro), Sitzheizung (250 Euro) und Technikpaket mit zweitem Schlüssel, Bordcomputer, Tempomat und Alarmanlage (525 Euro). Der VW Passat 2.0 TDI Comfortline beginnt erst bei 27.625 Euro. Sinnvolle Extras sind Navigationssystem (ab 2705 Euro), Sitzheizung (270 Euro), und Xenonlicht mit Kurvenfunktion (1225 Euro). In dieser Klasse sollten Nebelscheinwerfer (150 Euro), Klimaautomatik (390 Euro) oder Alarmanlage (210 Euro) serienmäßig sein.
Als Ergebnis kommt der VW Passat 2.0 TDI mit einem knappen Vorsprung gegenüber dem Ford Mondeo 2.2 TDCi ans Ziel. Der Wolfsburger ist das moderne, neuere Auto; doch der Mondeo erfreut bei weitem nicht nur durch den prächtigen Motor doch ohne Partikelfilter interessiert das nur wenige.