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Lupe Renault 16: Meilenstein und Verkaufserfolg

Frankreich hat mehr legendäre Autos zu bieten als Ente und Renault 4. Der Renault 16 war die erste echte Schräghecklimousine und ein grandioser Verkaufserfolg.

Von Stefan Zaumseil

In den 60er Jahren hatten die großen Automobilmessen noch echte Sensationen zu bieten. Hier wurde das Tuch gelüftet und nicht selten bekam die Konkurrenz den Mund nicht mehr zu. Nicht ganz so geschehen bei der Vorstellung des neuen Renault 16 im Frühjahr 1965 auf dem Genfer Salon. Schließlich geisterten wilde Gerüchte und die ersten Fotos von Prototypen bereits seit Anfang 1964 durch die Branche.

Lifestyle-Kombi der Zukunft
Die Franzosen waren schon zuvor bekannt für innovatives Design, Ideenreichtum und Sinn für Praktikabilität. Doch dieser Renault setzte der Mittelklassen-Konkurrenz Hörner auf. Der Renault 16 war so etwas wie der Lifestyle-Kombi aus der Zukunft. Eine Schräghecklimousine mit viel Platz für fünf Personen und ein Innenraum, der auch lange Strecken nicht zu einer Tortour werden ließ.

Heute kaum erwähnenswert, aber vor 40 Jahren jubelte die Automobilwelt auf. Ungewöhnlich für Renault in den 60er Jahren: Motor und Antrieb arbeiteten vorn und nicht im Heck. Markant ist der lange Radstand und das hutträgerfreundliche hohe Dach. Heute undenkbar – damals ein Mittel um die Drehstabfederung im knappen Innenraum umzusetzen: Der Radstand links ist mit 2,72 Metern knapp sieben Zentimeter länger als rechts.

Variabel wie ein Unimog
So variabel hatte sich seit dem Unimog kein fahrbarer Untersatz mehr präsentiert. Die zwei Sitzreihen ließen sich vielfältig variieren und gaben den Familienvätern von einst alle Möglichkeiten. Viele sahen in dem neuen R 16 eine Weiterentwicklung des R 4, der vier Jahre vorher seine Jungfernfahrt hatte. Der hatte schließlich schon erfolgreich für Sturm in der Kleinwagenklasse gesorgt.

Das machte auch der 16er, nur zwei Klassen höher. Hinter Schrägheck und mächtiger Heckklappe befand sich ein Kofferraum, der sich von 346 auf 1.200 Litern vergrößern ließ. Besonders das Heck war es, das den Renault 16 so einzigartig machte. Der Renault 16 hatte mit seinen kantigen Formen und dem lang gezogenen Heck etwas von einem Kombi.

Das Gepäckabteil wurde von einer großen Hutablage geschützt; die Rückbank ließ sich verschieben oder ausbauen. Beim Publikum im In- und Ausland kam der Beamten-Franzose, der in der Nähe von Le Havre produziert wurde, prächtig an. Zwischen 1965 und 1980 wurden mehr als 1,8 Millionen Autos verkauft. Das hätte man Renault gerade einmal im Kleinwagensegment zugetraut.

Drei seperate Seitenscheiben
Gezeichnet wurde der zunächst als Renault 1500 bekannte 16er im zuvor gegründeten «Bureau des Style». Der damals 31-jährige Gaston Juchet setzt sich mit seinem Entwurf einer innovativen Schräghecklimousine mit Frontantrieb durch. Charakteristisch bei den ersten Entwürfen sind die drei separaten Seitenscheiben und das lange Heck. Knapp 25 Jahre später wird Juchet Chef der Renault-Designabteilung.

Auch in Übersee erhältlich
Auch bei den Motorisierungen setzte Renault auf innovative Technik. So war bereits der 55 PS starke Basismotor mit seinen 1,5 Litern Hubraum komplett aus Aluminium gefertigt. Doch in den Triebwerken steckte weit mehr als die Höchstgeschwindigkeit von knapp 150 km/h. Die legendären Sportboliden Renault Alpine A 110 und Alpine A 310 griffen in den 60er und 70er Jahren ebenfalls auf die Motoren der Familienkutsche zurück. Die Leistung stieg im Renneinsatz bis auf 172 PS. Im R 16 selbst wuchs die Leistung im Laufe der Jahre immerhin auf knapp 100 Pferdestärken. Der Renault 16 ging in seinen 15 Produktionsjahren um die Welt; ab 1968 war er in einer 62 PS-Version auch in den USA und Kanada zu bekommen.