netzeitung.deMercedes CLK 55 AMG: Brachiales Coupe

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Mercedes CLK 55 AMG (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mercedes CLK 55 AMG
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Mercedes CLK 55 AMG kommt unscheinbar daher. Doch das Coupe aus Stuttgart bietet die beeindruckenden Fahrleistungen eines Sportwagens - und einen entsprechend hohen Verbrauch.

Wir kennen doch die übliche CLK-Kundschaft: Männlich, über 55 Jahre alt und nicht gerade von der Vollgas-Fraktion. Ganz anders sieht das beim Häuptling aus. Der CLK 55 AMG macht zwar auf elegantes Coupe, ist aber ein brachial anschiebender Sportbolide.

Der CLK ist in der Mercedes-Palette so etwas wie eine Allzweckwaffe. Im neuen Modelljahr wurden die Motorvarianten kräftig durcheinander gewirbelt. Unter anderem drei neue Sechszylinder und ein Einsteiger-Diesel mit 150 PS. Nahezu die gesamte Vielfalt der C- und E-Klasse ist mittlerweile in dem CLK untergekommen.

Atemberaubender CLK
Wer selbst für die gut motorisierten CLK 350, CLK 500 oder CLK 320 CDI nichts übrig hat, kann sich im Handumdrehen für den unspektakulär um die Ecke biegenden 55 AMG begeistern. Der Auftritt ist trotz 18-Zoll-Felgen und Sportschweller kaum spektakulärer als der seiner schwächeren Kollegen. Doch wer den 5,5 Liter großen Achtzylinder startet, weiß, dass es an Gotteslästerung grenzt, ihn mit dem CLK 220 CDI in einem Atemzug zu nennen. Der CLK 55 AMG will mehr, will kantig sein und uns den Atem rauben.

Dazu hat der Stuttgarter sportliches Rüstzeug im Gepäck. Unter der weit aufschwingenden Motorhaube begeistert ein sehens- und hörenswertes Vollbluttriebwerk der Extraklasse. 270 kW / 367 PS und 510 Nm maximales Drehmoment reichen, um auf der Autobahn so ziemlich alles in Grund und Boden zu fahren. Die Kraftentfaltung ist herrlich.

Beide Hände liegen ordnungsgemäß in der Viertel-vor-drei-Position am Steuer. Am Lenkradkranz ertastet man ohne Augenkontakt die Bedienknöpfe des AMG-Speedshift. Ein grässlicher Name, eine eindrucksvolle Wirkung. Im Gegensatz zum 350er arbeitet das Topmodell noch mit einer Fünfgang-Automatik. Doch der Fahrer kommt nicht auf die Idee, von der viel gelobten Siebengang-Automatik zu träumen, die bereits in zahlreichen Mercedes-Modellen arbeitet.

Donnerndes V8-Triebwerk
Der Fünfgang-Automat arbeitet vorbildlich mit dem bärenstarken Achtzylinder zusammen und hat keinerlei Probleme die Kraft an die Hinterachse zu bringen. Leistung und das Donnern des V8-Triebwerks locken einem immer wieder, in den manuellen Modus zu springen und die Gänge auszudrehen.

Doch auch im souveränen Automatikmodus gibt es für den Viersitzer kein Halten mehr. Beim Vollgasspurt muss die Anti-Schlupf-Regelung Höchstleistungen vollbringen. Unter dem Strich stehen 5,2 Sekunden bis die Tempo-100-Marke an einem vorbeirauscht. Offiziell wird der Mercedes CLK 55 AMG bei 250 km/h eingebremst. Doch nicht wenige der AMG-Kunden lassen sich die Sperre gleich nach Auslieferung abnehmen. Dann sollte das Geschoss an der 300er-Marke kratzen.

Schwächen bei der Lenkung
Damit das Powertriebwerk nicht frühzeitig die Waffen streckt, hat man bei AMG tief in die Rennsportkiste gegriffen. So werkeln im Motor Aluminium-Schmiedekolben während eigens entwickelte Ölspritzdüsen die Kolben auch bei Höchstleistungen sicher kühlen. Der gemeine AMG-Kunde dürfte sich wohl kaum für den Durchschnittsverbrauch seines edlen Geschosses interessieren.

Mercedes verspricht 12,1 Liter Super auf 100 Kilometer. Bei ambitionierter Fahrweise dürfte sich der Durst zwischen 14 und 16 Litern einpendeln. Vergnügungssteuern gehören bei Sportwagen nun einmal dazu. Über Sitzkomfort, Federung und Bremsen muss man kein Wort verlieren. Einzig bei der Lenkung schwächelt der AMG-Mercedes etwas.

Die Lenkung ist gut, könnte für einen Sportwagen dieser Klasse jedoch eine Ecke besser sein. Schließlich kostet der CLK 55 AMG mindestens 80.000 Euro. Dass man Navigationssystem, anklappbare Spiegel und selbst Xenonlicht noch extra bezahlen muss, ist schlicht eine Frechheit.