Kreis Rottweil:
Schneepflug-Fahren kann nicht jeder
26.01.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Fahrbahn ist schneebedeckt, selbst die Fahrspuren sind kaum noch zu erkennen, vor dem Fahrer und seinen beiden »Fahrgästen« tut sich eine weiße, fast unendlich scheinende Fläche auf. »Dabei habe ich vor gut zwei Stunden diese Straße geräumt und gesalzen, und jetzt ist sie wieder zu«, erklärt Ziemann. Der Schneeschild schleudert meterhohe Schnee- und Eisfontänen von der Fahrbahn in den Straßengraben. Talhausen kommt in Sicht, der Schneepflug verlangsamt sein Tempo. »Wenn ich da mit vollem Tempo, rund 40 bis 50 Kilometern pro Stunde, durchrausche, schütte ich in den Anwohnern den Gehweg zu. Darüber sind sie nicht gerade begeistert«, erklärt Ziemann. Auch bei parkenden Autos muss er die Geschwindigkeit drosseln, sonst könnten Eis- und Schneebrocken die Fahrzeuge beschädigen. Schmunzelnd erzählt er, wie ein Kollege bei einem Einsatz bei Altoberndorf ganze Schneemassen durch ein offen stehendes Zimmer in eine Wohnung geschleudert hat.
In Epfendorf biegt der Schneepflug Richtung Bösingen ab. »Solchen Steilstrecken widmen wir natürlich unsere besondere Aufmerksamkeit«, führt Ziemann aus. Auf Steilstrecken erhöht er die Salzmenge von fünf Gramm pro Quadratmeter je nach Erfordernis auf zehn oder 15 Gramm. Auf der Höhe hat der starke Nordwind die Straße seit der letzten Schneepflugfahrt wieder fast vollkommen zugeweht, zudem trägt der neue Fahrbahnbelag in Bösingen zu einer stärkeren Glättebildung bei. »Dieses Phänomen zeigt sich leider fast bei allen neuen Belägen«, weiß Ziemann aus seiner Erfahrung zu berichten.
Nach rund zwei Stunden Fahrt von Zimmern über Epfendorf, Bösingen, Altoberndorf, Trichtingen, Oberndorf und zurück biegt Ziemann in den Hof der Straßenmeisterei, die nächste Tour wird länger dauern, müssen nun auch noch Parkplätze und Omnibusbuchten zusätzlich geräumt werden. »Für uns haben die Straßen Priorität«, betont Ziemann, bevor er seinen Schneepflug in die große Salzhalle steuert, um neues Streusalz zu laden.

