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Die Angst vorm Spritpreis als Stellenfresser

04. Jul 2008 17:12

Was da raus kommt, kostet pro Liter jetzt doppelt so viel wie Milch.
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Foto: dpa
Superbenzin ist so teuer wie nie. Taxizentralen, Autovermieter und Spediteure sehen Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Mancher Wirtschaftsforscher stimmt ihnen zu – und gibt trotzdem Entwarnung.
Die Spritpreise steigen und mit ihnen wächst die Sorge, dass deswegen tausende Jobs in Deutschland auf dem Spiel stehen könnten. Am Freitag wurde ein neues Rekordhoch vermeldet: 1,60 Euro kostet der Liter Super im Schnitt, 1,56 Euro ein Liter Diesel. Vor allem das Taxi- und das Transportgewerbe rechnen nun mit Stellenstreichungen. Nach einer «Bild»-Umfrage sehen mehrere Branchenverbände bis zu 140.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Experten erwarten allerdings auch, dass durch die hohen Energiepreise neue Stellen in anderen Bereichen entstehen – etwa auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.

In der Transportbranche könnten nach Angaben des Bundesverbandes Güterverkehr und Logistik (BGL) bereits nach der Sommerpause rund 30.000 der knapp 600.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Firmen würden aber nicht nur durch den hohen Dieselpreis belastet, sondern auch durch die geplante Erhöhung der Lkw-Maut zum 1. Januar 2009, sagte der stellvertretende BGL-Geschäftsführer Adolf Zobel.

Delle bei Taxi-Fahrgastzahlen

«Die Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand», sagte er. Für das erste Halbjahr gehe der Verband von doppelt so vielen Insolvenzen aus wie im Vorjahreszeitraum. Um die Unternehmen zu entlasten, forderte Zobel, auf die geplante Erhöhung der Lkw-Maut zu verzichten.

Auch der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband (BZP) warnte, im Taxigewerbe seien bis zu 50.000 der 200.000 Arbeitsplätze gefährdet. «Wir sind äußerst besorgt», erklärte Verbandsgeschäftsführer Thomas Grätz. Preiserhöhungen würden Kunden nicht ohne weiteres akzeptieren. Seit zwei Monaten sei bei den Fahrgastzahlen bereits «eine kleine Delle» spürbar. Der Verband fordert, Taxiunternehmen den halbierten Satz bei der Ökosteuer zu gewähren.

Noch keine Einbrüche im Kfz-Gewerbe

Laut «Bild» drohen auch bei Bus-Unternehmen, Fahrschulen, der Fischerei-Branche und bei Kurier- und Postdiensten Entlassungen. Im Kfz-Gewerbe sei die Situation mit 468.000 Arbeitsplätzen derzeit stabil, sagte Verbandssprecher Helmut Blümer. Die Kunden würden jedoch bei Autos sparen und hohe Kosten machten sich bei energieintensiven Arbeiten wie etwa Lackarbeiten bemerkbar. «Mittelfristig will ich Konsequenzen nicht ausschließen», sagte Blümer.

Insgesamt schwächten die hohen Energiepreise die Wirtschaft, sagte Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Während bestimmte Sektoren wie etwa der Transportbereich besonders leiden würden, profitierten aber andere Bereiche. Als Beispiel nannte Bräuninger etwa Gebäudesanierung und erneuerbare Energien, wo neue Arbeitsplätze entstünden. «Das könnte sich etwa ausgleichen», erklärte der Experte.

Vorwerk-Chef Peter Oberegger sieht in den steigenden Energiepreisen sogar die Chance für eine Renaissance des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Die hohen Transportkosten machten die Vorteile einer Produktions-Verlagerung in Länder außerhalb Europas zunichte, sagte Oberegger dem Deutschlandradio Kultur. «Selbst die hohen Lohnkosten in Deutschland wiegen nicht mehr die Kosten für die Logistik auf, wenn ein Produkt von Asien nach Europa zurückgebracht werden muss.» (nz/AP)



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