75 Jahre Silberpfeil:
Vier Ringe greifen nach den Sternen
05.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Zeiten könnten besser sein, um den 75. Geburtstag der Silberpfeile im Hause Daimler zu begehen. Das Mercedes-Formel-1-Team bezieht heftig Prügel. Kein Wunder, dass Lewis Hamilton ein paar Runden im legendären W25-Rennwagen von 1934 gerade Recht kommen. Als die glänzende Rennzigarre zum Leben erwacht, geht ein Donnern über die Mercedes-eigene Einfahrbahn in Stuttgart-Untertürkheim. Hamilton, der der Konkurrenz als Weltmeister in der aktuellen Formel-1-Saison hinterher fährt, genießt die schnellen Runden auf dem kurzen Oval sichtlich. «Das Fahren des W25 ist nicht ganz einfach. Aber die Beschleunigung ist enorm obwohl der Wagen 75 Jahre alt ist», berichtet Lewis Hamilton voller Anerkennung von dem ersten Silberpfeil. Fehlzündungen erscheinen bei dem Renn-Urgestein wie Donnergrollen und nur in Ansätzen mag man sich vorstellen, wie der alte W25 im Jahre 1934 beim Eifelrennen für Furore gesorgt hat.
In der Neuzeit machten die Silberpfeile nach dem Wiedereinstieg in die Formel 1 im Jahre 1994 wieder lautstark auf sich aufmerksam. Mika Hakkinen, David Coulthard oder zuletzt Lewis Hamilton fuhren sich in silbernen Pfeilen in die Rennsportsannalen. Nach dem Weltmeistertitel in der Saison 2008 verläuft das aktuelle Jahr jedoch lausig. Das Werksteam fährt hintenan, während ein Mercedes-Triebwerk im Konkurrenzrennstall von Ross Brawn von Sieg zu Sieg eilt. «Die Formel 1 früher und heute kann man gar nicht vergleichen», erzählt Ex-Rennfahrer Jochen Mass als er in den alten W-125er-Rennwagen von 1937 einsteigt, «mit diesen dünnen Reifen, der großen Motorleistung über Stunden derart präzise und schnell zu fahren ist nach heutigen Maßstäben nahezu unvorstellbar.»
Der Lärm des Nachfolgemodells W 125 scheint noch brachialer zu sein. Als Jochen Mass auf der Mercedes-Einfahrbahn in Untertürkheim ein paar schnelle Runden dreht, zeigt der ebenfalls 750 Kilogramm schwere Bolide, wieso er bis in die 80er Jahre hinein der leistungsstärkste Grand-Prix-Wagen blieb. Dank Kompressoraufladung holt der Achtzylinder aus 5,7 Litern Hubraum 435 kW / 592 PS. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h erzielte der W 125 in zwölf großen Preisen sechs erste, neun zweite und sechs dritte Plätze. Rudolf Caracciola wird auf ihm 1937 Europameister. Hans Herrmann pilotiert auf der Einfahrstrecke derweil einen W 196, das erste Nachkriegsmodell aus dem Hause Mercedes. «Den Helm hatte ich damals auch bei dem Rennen auf der Avus auf dem Kopf», lacht der 81-jährige Hans Herrmann, als er den offensichtlich betagten Kopfschutz anlegt, «das Fahren wird von Runde zu Runde besser. Macht einfach Spaß wieder einmal in dem alten W 196 zu sitzen.»
Die auf der langen Avus-Geraden bis zu 380 km/h schnellen Rennwagen der Auto Union wurden unter anderem von Hans Stuck und August Momberger pilotiert. Zu einem Sieg hat es beim ersten Rennen jedoch weder für Audi noch Mercedes gereicht. Am Ende gewann Alfa Romeo mit den Piloten Guy Moll und Achille Varzi. Regenkönig August Momberger landete mit seinem 295 PS starken Auto Union Typ A nach einem Ausfall des Trainingsbesten Hans Stuck immerhin noch auf Platz drei.
Dafür gibt es in der heutigen Zeit nicht einmal ein Renngetriebe weder in der Formel 1 noch in Le-Mans-Serie, wo beide Hersteller sich ihre Motorsportheimat gesucht haben. Ein Grund zum Feiern haben beide und selten standen Stern und Ringe zu einhellig beisammen.

