Citroën DS:
Zeitlose Göttin
12.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Als übernatürliches Wesen ist man manchmal ganz schön einsam. «Auf Oldtimer-Treffen fühlt sich meine Göttin nicht wohl», sagt Markus Zanner. Denn kein Auto hat sich so sehr das Prädikat «Zeitlos» verdient wie Citroëns DS. Zanners bordeauxrote Déesse altert nicht, allenfalls verändert sich die Welt um sie herum. Die weichen Polster ganz ohne Kopfstützen und der riesige Innenraum schaffen Salon-Atmosphäre. Das spindeldürre Volant ist nur über eine einzige Speiche mit der Lenksäule verbunden, die wie ein Arm nach dem Lenkradkranz greift. Rechts daneben ragt der Stock der Lenkradschaltung hervor. Die Knöpfe und Schalter erinnern an alte Küchengeräte, und unter dem Handschuhfach macht es sich ein Becker Monza Radio bequem.
«Alles an diesem Auto funktioniert mechanisch und hydraulisch, ohne ein Heer von Elektromotoren zu benötigen», ist Zanner fasziniert. Etwa die Scheinwerfer, die sich in der Kurve mitdrehen. Manchmal springen die Seilzüge aus der Verankerung. Zanner verzeiht seiner Göttin diese Allüre, genau wie die manchmal bockige Elektrik oder die «erbärmliche» Heizung. Dabei ist die DS-Technik, die schon beim ersten Modell von 1955 ihrer Zeit weit voraus war, zuverlässiger als oft behauptet wird. Sicher gibt es reparaturfreundlichere Motorräume als das Technik-Kompartement des 84 PS starken Vierzylinders unter der lang gestreckten DS-Haube, wo der Reservekanister LHM-Hydraulikflüssigkeit genauso wenig fehlen darf wie der Ersatzreifen. Und die Hydropneumatik bereitete den Mechanikern erst deutlich weniger Kopfzerbrechen, als Citroën der Göttin eine neue Hydraulikflüssigkeit gönnte.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Zanners Göttin im Jahr 1967 vom Band lief. Nicht, dass das Alter eine Rolle spielen würde. Auch der derzeitige Marktwert interessiert Zanner nicht die Bohne. Gekauft hat er den Wagen 1991 für 8500 D-Mark, verkaufen würde er ihn nie. «Sie ist ein Familienmitglied geworden», sagt Zanner. Sie wird nicht täglich bewegt, aber regelmäßig. Gern denkt Zanner an eine Tour durch die Bourgogne zurück, bei dem ihm zahllose Franzosen erzählten, «dass der Vater oder Großvater auch mal eine DS hatte». Zanners Göttin ist ein seltenes Zwischenmodell: Die Front mit den Doppelscheinwerfern hinter Glas zeigt den Modellwechsel vom September 1967, das Armaturenbrett stammt noch von der Vorgänger-DS. Als Zanner den Wagen Anfang der 90er kaufte, wollten eigentlich alle DS-Fans ein schwarzes oder silbernes Modell haben. Doch ihm gefiel das kräftige Bordeauxrot auf Anhieb.
So dürfte die DS ihren Status als echte und einzige Göttin wohl auch in Zukunft behalten. Markus Zanner hat von NSU über Volvo bis zum Käfer schon viele Oldies besessen. «Doch bei der DS bleibt man hängen» sagt er.

