Mercedes Typ 220a Ponton:
Die Ur-Ur-E-Klasse
22.02.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die E-Klasse ist seit je her das Kernmodell und neben der übermächtigen S-Klasse das Aushängeschild der Marke Mercedes-Benz. Bei der Vorstellung der nun auslaufenden E-Klasse versprachen die MB-Verantwortlichen vollmundig die neue Mercedes E-Klasse kann alles, was wir auch können.« Unwahrscheinlich, dass die Strategen bei der Vorstellung der ersten Mercedes-Mittelklasse-Limousine im Jahre 1954 ähnliche Werbesprüche von sich gegeben haben. Doch das, was die E-Klasse über Jahrzehnte auszeichnete, hat ihren Ursprung im Ponton-Mercedes.
Die hausbackene Werbung zeigte auf großen Plakaten einen elegant gekleideten Vater mit chicen Hut am Ponton-Steuer. Rechts daneben die nicht weniger gut betuchte Ehefrau und im Fond der strahlende Nachwuchs. Der 2,2 Liter große Sechszylinder des Topmodells leistete seinerzeit mehr als beachtliche 63 kW / 85 PS und ein maximales Drehmoment von 160 Nm. Nach heutigen Maßstäben für eine Limousine der oberen Mittelklasse mit einer Länge von 4,71 Metern kaum ausreichend; damals sponn der Verkaufsprospekt von der Wendigkeit eines Sportwagens. Erstmals in der deutschen Automobilgeschichte war ein Volumenmodell derart aufwendig entwickelt worden. Die bis dato mit Mercedes untrennbar verbundene Eleganz war dagegen nicht die Sache des ersten E-Klasse-Vorläufers. Die bogenförmige Dachkonstruktion wirkte alles andere als filigran und auch die in die Karosserie eingelassenen Kotflügel nahmen dem Mittelklassemodell jene unvergleichliche Linienführung, mit der Mercedes bis dato auf Kundenfang ging.
Die heute üblichen Lenkstockhebel für Scheibenwischer oder Blinker sucht man beim Erstkontakt vergebens. Der Scheibenwischer wird über einen Zugschalter vor der Windschutzscheibe bedient; der Blinker befindet sich wie bei vielen Autos in den 50er Jahren im Lenkradkranz. Der Innenraum des Ponton setzte in seiner Zeit Maßstäbe. Armlehnen, Kartentaschen, Innenleuchten, Sonnenblenden, Haltestangen und Kleiderhaken so etwas gab es sonst nur in amerikanischen Luxuslimousinen. Luxus in der Mittelklasse damit klopfte die erste E-Klasse seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts an die Tür zur Luxusliga und der allgegenwärtigen S-Klasse.
Der 220er legte als Topversion nochmals zehn PS drauf und schaffte rund 150 km/h Spitze. In den 50er und 60er Jahren galt der Ponton als Maßstab in Sachen Fahrverhalten, Technik und Qualität. Gerade deshalb erfreute sich der bauchige Benz bei Taxlern zwischen Berlin und Stuttgart über Jahrzehnte einer großen Beliebtheit. Schließlich gab es ihn auch mit einem nahezu unverwüstlichen Dieselmotor. Ein Automatikgetriebe hielt jedoch erst bei dem größeren Bruder der Baureihe W 186 / W 189, besser bekannt aus Adenauer-Benz, Einzug. Dass ein 180er es trotz seiner Nehmerqualitäten auch sportlich konnte, zeigte seine Plattform auf der unter anderem auch der Sportroadster 190 SL aufbaute.
Im heutigen Straßenverkehr sieht man den Ponton nur noch überaus selten. Der Zahn der Zeit ging an den meisten Modellen nicht spurlos vorüber. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es es jedoch nach wie vor ein nennenswertes Angebot. Fahrzeuge im Originalzustand sind Mangelware; doch wer sich mit einem ordentlich restaurierten Modell im Zustand zwei bis drei arrangieren kann, findet zwischen 9.000 und 18.000 Euro seinen durchweg alltagstauglichen Traumwagen, den »großen Ponton-Mercedes« vielleicht sogar mit Ledersitzen und großem Rolldach.

