Opel Kadett Aero 1.6: 

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Der Opel Kadett Aero (Foto: press-inform<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Opel Kadett Aero
Foto: press-inform
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Als der Kadett C im Jahre 1973 das Licht der Welt erblickte, hielt die Sportlichkeit erstmals auch in der bis dato allzu langweiligen Kompaktklasse Einzug. Doch noch spannender als die Erfolgsmodelle City und GT/E ist der Aero, der Traum vom nahezu unbeschwerten Cabriofahren.

Von Stefan Grundhoff

Ein Cabriolet in der preiswerten Kompaktklasse – davon konnten die Kunden bis dato nur träumen. Es gab einen Mercedes SL, den offenen Käfer und ein paar schneidige Briten. Doch das war es auch schon. Als die Rüsselsheimer im Jahre 1973 den pragmatischen Kadett C vorstellten, verfolgten eine Milliarde Menschen das legendäre Elvis-Konzert auf Hawaii, Carl Gustav XVI. wurde König von Schweden und das World-Trade-Center seiner Bestimmung übergeben. Mit der Sportskanone Kadett C GT/E spielen die Rüsselsheimer erfolgreich Vorreiter für eine neue sportliche Kompaktklasse, die später der Golf GTI dominierte. Doch der coolste Kadett war und ist der offene Aero – das Cabriolet für jedermann. Er wurde 1976 vorgestellt.

Keine Cabrio-Erfahrungen
Die Idee, ein Cabriolet zu einem günstigen Preis zu bauen, war in Deutschland nicht neu. Das VW Käfer Cabriolet hatte sich bereits in den 50er Jahren zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt und auch die Pläne für einen offenen Golf lagen in der Schublade. Bis zu seinem Start des Karmann-Cabriolets sollten jedoch noch sechs weitere Jahre vergehen. Opel wollte ebenfalls ein Cabrio und wo sollte es besser hineinpassen, als in die neue Kadett-Familie der Generation C. Preiswerter Dreitürer, Stufenheckversion, Caravan, Coupé und die 105 PS starke, 900 Kilogramm schwere und über 180 km/h schnelle Sportskanone GT/E – da passte ein Cabriolet prächtig hinein.

Doch so einfach ließ sich das mit dem Kadett Cabriolet nicht machen. Die Karosseriestruktur war zu weich für einen normalen Sonnenanbeter und die Entwicklung einer Version mit einem Überrollbügel zu aufwändig. Da die eigenen Erfahrungen mit derartigen Kleinserien fehlten, wendete man sich an die Firma Baur. Der Karosseriespezialist aus Stuttgart hatte sich nicht nur bei der Entwicklung und dem Bau von BMW-Spezialfahrzeugen einen Namen gemacht; dabei Cabrio- und Targa-Kompetenz bewiesen. Unter dem Namen Kadett Aero entwickelte das Baur-Team zusammen mit Opel-Ingenieuren auf Basis der dreitürigen Stufenheckversion einen viersitzigen Targa.

Lahmer Targa
Die Entwicklungszeit war kurz und so erblickte der mit breiten Überrollbügel und mächtiger C-Säule ausgestattete Kadett Aero im Jahre 1976 das Licht der Automobilwelt. Die Einführung mit dem müden 1,2-Liter-Vierzylinder mit seinen 44 kW / 60 PS sollte nicht so recht zu einem sportlich positionierten Ausflugsmobil mit Namen Targa passen. Erst ab Herbst 1977 wurde der insgesamt 1.242 Mal produzierte Kadett Aero auch mit dem deutlich besseren 1,6 Liter Triebwerk angeboten.

Der 75 PS starke Hecktriebler war mit der höherwertigen SR-Ausstattung ausstaffiert, die unter anderem Drehzahlmesser, Analoguhr, Vierspeichenlenkrad und Zusatzinstrumente umfasste. Das Fahrwerk wurde bereits in der ersten Hälfte der 70er Jahre hoch gelobt. So verfügte der Kadett C anders als Konkurrenz und Vorgänger vorne über eine neue Doppelquerlenkerachse mit Schraubenfedern. Für Sicherheit in flott gefahrenen Kurven sorgen Stahlgürtelreifen und ein Stabilisator rundum.

Annehmlichkeiten Fehlanzeige
Das Targadach ließ sich mit wenigen Handgriffen und etwas Fummelei demontieren und in einer Schiene im üppig dimensionierten Kofferraum befestigen. Das Faltverdeck mit Kunststoffscheibe warf der ambitionierte Pilot nach hinten und verstaute es nur allzu selten unter der PVC-Persenning. Das Modell mit der Baur-Seriennummer 963 ist ein besonders seltenes aus dem Jahre 1977. Lackiert in unschuldigem weiß hat es den Opel-Besitz bis heute nicht verlassen und derzeit gerade einmal 4441 Kilometer gelaufen. Die beiden Targadach-Elemente fallen trotz ihrer schwarzen Farbe jedoch weniger ins Auge als die weißen ATS-Alufelgen und der ebenso hässliche wie unangenehm anzufassende Bezugsstoff von Sitzen und Türverkleidungen im extravaganten Pepita-Muster. Doch das waren nun einmal die 70er Jahren.

Komfortable Ausstattungsdetails sucht man vergeblich. Immerhin gibt es Chromstoßstangen, besagt lackierte Alufelgen, Uhr und Drehzahlmesser; dazu Kopfstützen und Automatikgurte. Doch das war es auch schon. Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung oder gar Colorglas waren beim Aero 1.6 reine Zukunftsmusik.

Hoher Preis, kurze Produktionszeit
Der Grund für den Misserfolg des Kadett Aero war weniger das nach heutigen Maßstäben wenig grazile Design, sondern der hohe Preis. Die Aero-Preise machten ihrem Namen alle Ehre und entschwanden mit rund 15.000 D-Mark in ungewohnt luftige Höhen. Aufgrund der ausgelagerten Produktion lag der Preis rund 5.000 D-Mark über einem vergleichbar geschlossenen Modell. So wurde der 4,12 Meter lange Kadett Aero im Frühjahr 1978 aufgrund allzu dünner Kundennachfrage wieder aus dem Programm genommen.

Der nächste Opel-Vorstoß in die Liga der Sonnenanbeter ließ bis zum Jahre 1987 mit dem Kadett E Cabriolet auf sich warten. Er sollte dem Erfolgsmodell VW Golf Cabriolet Kunden abjagen und den ebenfalls mit einem Überrollbügel ausgestattetem Ford Escort Cabriolet auf Distanz halten. Beides gelang nur eingeschränkt. Heute sind die wenigen auf dem Markt befindlichen Modelle des Opel Kadett Aero heiß begehrt. Für ein gepflegtes Modell muss man unabhängig von Motorisierung und Ausstattung mindestens 10.000 Euro bezahlen. Und das Angebot ist rar – sehr rar.