Opel Kadett Aero 1.6:
Oben ohne einmal anders
07.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Cabriolet in der preiswerten Kompaktklasse davon konnten die Kunden bis dato nur träumen. Es gab einen Mercedes SL, den offenen Käfer und ein paar schneidige Briten. Doch das war es auch schon. Als die Rüsselsheimer im Jahre 1973 den pragmatischen Kadett C vorstellten, verfolgten eine Milliarde Menschen das legendäre Elvis-Konzert auf Hawaii, Carl Gustav XVI. wurde König von Schweden und das World-Trade-Center seiner Bestimmung übergeben. Mit der Sportskanone Kadett C GT/E spielen die Rüsselsheimer erfolgreich Vorreiter für eine neue sportliche Kompaktklasse, die später der Golf GTI dominierte. Doch der coolste Kadett war und ist der offene Aero das Cabriolet für jedermann. Er wurde 1976 vorgestellt.
Doch so einfach ließ sich das mit dem Kadett Cabriolet nicht machen. Die Karosseriestruktur war zu weich für einen normalen Sonnenanbeter und die Entwicklung einer Version mit einem Überrollbügel zu aufwändig. Da die eigenen Erfahrungen mit derartigen Kleinserien fehlten, wendete man sich an die Firma Baur. Der Karosseriespezialist aus Stuttgart hatte sich nicht nur bei der Entwicklung und dem Bau von BMW-Spezialfahrzeugen einen Namen gemacht; dabei Cabrio- und Targa-Kompetenz bewiesen. Unter dem Namen Kadett Aero entwickelte das Baur-Team zusammen mit Opel-Ingenieuren auf Basis der dreitürigen Stufenheckversion einen viersitzigen Targa.
Der 75 PS starke Hecktriebler war mit der höherwertigen SR-Ausstattung ausstaffiert, die unter anderem Drehzahlmesser, Analoguhr, Vierspeichenlenkrad und Zusatzinstrumente umfasste. Das Fahrwerk wurde bereits in der ersten Hälfte der 70er Jahre hoch gelobt. So verfügte der Kadett C anders als Konkurrenz und Vorgänger vorne über eine neue Doppelquerlenkerachse mit Schraubenfedern. Für Sicherheit in flott gefahrenen Kurven sorgen Stahlgürtelreifen und ein Stabilisator rundum.
Komfortable Ausstattungsdetails sucht man vergeblich. Immerhin gibt es Chromstoßstangen, besagt lackierte Alufelgen, Uhr und Drehzahlmesser; dazu Kopfstützen und Automatikgurte. Doch das war es auch schon. Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung oder gar Colorglas waren beim Aero 1.6 reine Zukunftsmusik.
Der nächste Opel-Vorstoß in die Liga der Sonnenanbeter ließ bis zum Jahre 1987 mit dem Kadett E Cabriolet auf sich warten. Er sollte dem Erfolgsmodell VW Golf Cabriolet Kunden abjagen und den ebenfalls mit einem Überrollbügel ausgestattetem Ford Escort Cabriolet auf Distanz halten. Beides gelang nur eingeschränkt. Heute sind die wenigen auf dem Markt befindlichen Modelle des Opel Kadett Aero heiß begehrt. Für ein gepflegtes Modell muss man unabhängig von Motorisierung und Ausstattung mindestens 10.000 Euro bezahlen. Und das Angebot ist rar sehr rar.

