40 Jahre Jaguar XJ:
Zicke mit Charme
Wenn es um das typisch britische Auto geht, wird oft von Details wie der verschwenderischen Verwendung edelsten Leders gesprochen. Nach einer Weile kommen auch andere Sachen zur Sprache - die nachlässige Verarbeitung etwa, der frühe Rostfraß oder die streikende Elektrik. Geht es um ein Auto, das die guten wie die schlechten Seiten vereint, dürfte recht schnell der Jaguar XJ genannt werden: Dieses Auto ist seit 40 Jahren der Inbegriff der ebenso noblen wie sportlichen und etwas zickigen britischen Limousine.
Da gab es Lederbezüge, die schon durch ihren Geruch zum Fahrgefühl beitrugen. Von ihren Sitzen schauten Passagiere auf edel arrangierte Anzeigen, die in lackiertes Edelholz-Furnier eingepasst waren.
Vier Scheinwerfer, deren obere Rundungen sich im Blech von Motorhaube und Kotflügeln fortsetzen, dazwischen in der Mitte ein chromglänzender Kühlergrill und darauf die ebenfalls verchromte Figur einer springenden Raubkatze - das ist das Gesicht eines XJ.
In der Motorenentwicklung von Jaguar wurden Bezeichnungen nach einem einfachen Prinzip vergeben: Entstand ein neues Aggregat, wurde es zunächst als «Experimental» oder eben kurz «X» bezeichnet. Im Laufe der Weiterentwicklung gab es mehrere Stufen, so dass es etwa von einem frühen «XA» bis zum endgültigen «XJ» reichen konnte.
Seine Premiere hatte der neue Motor zwar 1971 im Roadster E-Type - doch 1972 machte er den XJ endgültig zu einem Sonderfall in der Welt der Oberklasse-Limousinen. Einen Zwölfzylinder hatte es in keinem Viertürer nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Die Motorleistung von 186 kW/253 PS beschleunigte den XJ endgültig auf Sportwagen-Niveau. Allerdings fanden die Konstrukteure keine Einspritzanlage für den Riesenmotor mit seinen 5,3 Litern Hubraum. Stattdessen montierten sie gleich vier Vergaser, was zu Verbräuchen führte, für die heute jeder Hersteller mehr als nur eine Ohrfeige riskieren würde.
Die ursprüngliche Konstruktion des XJ ging dagegen noch in eine dritte Runde. Das Blechkleid der 1979 eingeführten Serie III formte Pininfarina, es gilt vielen als schönstes der frühen XJ-Generationen - hinzu kam, dass auch die Innenausstattung noch einmal hochwertiger wirkte. Erst im November 1992 wurde auch diese Serie eingestellt - nach mehr als 400.000 Exemplaren der Generationen I bis III. (dpa/tmn)

