50 Jahre NSU Prinz:
Vom Prinz zum König
1958 war das deutsche Wirtschaftswunder in vollem Gange. Mit dem wachsenden Wohlstand wurden die Menschen anspruchsvoller: Der Motorroller genügte nicht, ein schickes Auto musste her. Durch die Straßen wuselte ein Insektenstaat aus Käfern und anderen Kleinwagen, deren Namen heute kaum jemand kennt - Lloyd, Glas oder Goggomobil. Auf der Frankfurter Automobilausstellung 1957 kam mit dem NSU Prinz ein weiterer Autozwerg hinzu. Mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, zwei Zylindern und immerhin 20 PS gelang bis 1962 fast 100.000 Käufern der Aufstieg vom knatternden Mofa zum richtigen Auto.
Wirklich aufregend war der Wagen nicht und der Beifall eher höflicher Natur, doch der Verkaufserfolg gab NSU Recht. Und beim braven Prinzen sollte es nicht bleiben: Schon im September stellte NSU den Sport-Prinz vor. Seine elegante Hülle entstand im italienischen Designbüro Bertone. 30 PS aus 583 Kubikzentimeterchen Hubraum trieben den Sport-Prinzen in immerhin 26 Sekunden auf 100 Sachen. Das zweisitzige Coupé wurde bis 1967 gebaut und war ein Imageträger für die Marke. Denn das wirtschaftlich wichtigere Auto für NSU blieb natürlich der normale Prinz.
«Wirtschaftlich im Unterhalt darauf kommt es an» wussten die Texter der Werbebroschüre. Schwenkfenster, Lenkschloss, Lichthupe und man höre und staune eine Klimaanlage gehörten zur Serienausstattung. Der Prinz 4 wurde bis 1973 fast unverändert gebaut und war nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien erfolgreich.
Welches Potenzial in dem kleinen Hecktriebler steckte, bewies ab September 1965 der TT. Erkennbar ist der Wagen sofort an seinen runden Doppelscheinwerfern. Zuerst mit 55 und dann mit 65 PS (bei auf 1,2 Liter vergrößertem Hubraum) ausgerüstet, spurtete der kleine Wagen in 14 Sekunden auf 100 Km/h ein durchaus respektabler Wert, denn selbst ein Porsche 911 brauchte damals neun bis zehn Sekunden. Doch es war noch mehr drin in Neckarsulm. 1967 bis 1971 wurde in kleiner Auflage der NSU TTS gebaut. Der Wagen hätte den Namen Sport-Prinz wahrlich verdient: Auf 995 Kilo abgespeckt, rannte er in 13 Sekunden auf 100 und erreichte 160 Km/h. Der TTS war im Renn- und Rallyesport erfolgreich und ist heute noch gern gesehener Kleinstar bei Oldie-Rallyes. Willi Bergmeister - bei dem Michael Schumacher seine Kfz-Mechanikerlehre absolvierte - schrieb auf dem TTS Renngeschichte.

