Peugeot 205 Turbo 16:
Damals bei der Monte
14.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Es gibt Firmen, die in ihrer Geschichte mehr Wert auf den Motorsport gelegt haben als Peugeot. Die Franzosen wollten, taten, dann einmal wieder nicht und dann einmal wieder doch. Eines der sportlichen Highlights ist der Peugeot 205 Turbo 16, der unter dem damaligen Motorsportchef Jean Todt Anfang der 80er Jahre seine Premiere feierte. Der 350 PS starke Allradler brauchte sich auch aus heutiger Sicht gegenüber Rallyelegenden wie Lancia Stratos, Audi Quattro oder Lancia Delta nicht zu verstecken - im Gegenteil. Dafür profitierten auch ein paar handvoll Endkunden. Weil man im Rallyesport in den 80er Jahren nur etwas werden konnte, wenn mindestens 200 Serienfahrzeuge produziert und verkauft wurden, wagte Peugeot im Jahre 1983 den Spagat aus Straßen- und Rallyeversion. Aus dem internen Motorsportprojekt «M24 Rallye» wurde Anfang 1983 offiziell der Peugeot 205 Turbo 16.
Das komplette Heck lässt sich nach oben klappen, damit man am Motor arbeiten kann. Mit wenigen Schrauben öffnen sich Seitenteile und Schürzen. Im Nu steht der Franzose nahezu nackt da. Unter der gewöhnlichen Motorhaube gibt es zwei Tankstutzen und das Reserverad. Dazu einen Stecker für eine Schalterbatterie, die in der «Nacht der langen Messer», den Weg durch die Dunkelheit weist.
Das Triebwerk, ein 1,8 Liter großer Vierzylinder mit Turboaufladung, stammte aus der von PSA erschaffenen XU-Familie. Er brüllte mit einer Leistung von bis zu 350 PS kurz vor der Hinterachse selbstverständlich: der Allradantrieb. Im Rallyetrimm schaffte der Sechzehnventiler dank 2,5 bar Ladedruck über 350 PS und über 350 Nm maximales Drehmoment. Die zahmere Straßenversion des 205 Turbo 16 verfügte ebenfalls über Allradantrieb und die Getriebebrücke aus dem Citroen SM brachte jedoch nur 200 PS an beide Achsen.
Mit dabei: Rallye-Experte und Peugeot-Cheftechniker Roger Collin. «Der Rallye-205 hatte bei kaum mehr als 800 Kilogramm eine Leistung von gut 350 PS», so Collin, «da hatten die Gegner kaum eine Chance. Vor allen war der Turbo 16 wegen seiner kompakten Abmessungen und der Gewichtsverteilung auf allen Strecken gleichermaßen gut. Egal ob Schotter, Asphalt oder Schnee.»
Noch heute sitzt bei dem 58jährigen jeder Handgriff, wenn er an einem Peugeot 205 Turbo 16 herumbastelt. Ein Differential ausbauen dauerte damals wie heute kaum mehr als 15 Minuten. Die Schleifkupplung für die Kraftübertragung zwischen Vorder- und Hinterachse nicht einmal zehn. Nur am Mittelmotor durfte nichts sein. Es gab bei den Rennen schlicht und einfach keinen Ersatz nur ein Ersatzfahrzeug, das im Training eingesetzt wurde.
Mouton ging in die Weltmeisterschaft Grundel blieb wie Mechaniker Roger Collien bei Peugeot und sattelte auf einen Peugeot 309 GTI um. Doch 170 PS reichten nicht für einen Absatz im Buch der Rallyelegenden anders als der 205 Turbo 16. Eine gebrauchte Straßenversion ist bis heute kaum zu bekommen. Wenn doch: zu Preisen ab rund 60.000 Euro.

