Nissan Cube 1.8:
Zauberwürfel aus Fernost
Abgesehen von den beiden Sportskanonen 370Z und Skyline GT-R sucht man emotionale Autos im Portfolio des japanisch-französischen Autoherstellers Nissan seit längerem vergebens. Damit ist ab Herbst diesen Jahres Schluss. Denn nachdem die erste Cube-Generation aus Crash- und Marketinggründen noch einen weiten Bogen um Europa machte und allein in Japan begeisterte, soll der Cube II junge, urbane Szene-People zu Nissan locken. Die einfache Formel: wem iPhone, Designermöbel und ein kleines Cityloft gefallen, der ist für den Nissan Kubus genau der richtige. Sein Design ist dabei nicht nur in der Lackierung «hite-pearl» ein echter Hingucker.
Das Ritter-Sport-Motto «quadratisch praktisch gut» findet auf einer Länge von 3,98 Metern eine ungewöhnlich automobile Ausprägung. Mit einem Aufmaß von 1,70 Metern ist der asiatische Fronttriebler ebenso hoch wie breit und bietet im Innenraum dank 2,53 Metern Radstand bequemen Platz für vier Personen. Die vorderen Sessel sind kuschelig weich und auch im Fond fühlt man sich Dank der weit nach hinter verschiebbaren Rückbank angenehm aufgehoben.
Immerhin ist man in einem variablen und praktischen Gefährt unterwegs. Ein- und Ausparken sind aufgrund der guten Übersichtlichkeit auch ohne entsprechende Sehhilfen kein Problem und über die weit aufschwingende Hecktür lässt sich der Kofferraum trotz hoher Kante locker beladen. Die Flatterabdeckung des Gepäckabteils sollte man jedoch gleich nach Inbetriebnahme des Fahrzeugs entsorgen. Hier gibt es im Baumarkt um die Ecke deutlich stilvollere Varianten. Wer die geteilt umlegbare Rückbank umklappt, kann einen quadratischen Stauraum von über 1.600 Litern nutzen.
Front-, Kopf- und Seitenairbags sind beim Cube II ebenso serienmäßig wie ESP und eine Reifendruckkontrolle. Wenn man die flatternde Laderaumabdeckung schon einmal ausgetauscht hat, kann man sich gleich noch das wenig zeitgemäße Soundsystem vornehmen. Das sieht nicht nur aus, wie ein Asienmodell der frühen 80er Jahre es klingt auch genauso blechern. Überhaupt hat Nissan bei einem Styling-Purismus wenig Wert auf eine standesgemäße Haptik gelegt. Dass sollte den anvisierten Kunden jedoch durchaus wichtig sein. Ein praktischer Dosen- / Flaschenhalter am Armaturenbrett, weiche Kuschelsitze und ein wechselnd illuminierender Innenraum allein sind für ein neues Autos vielleicht doch etwas dünn. Praktisch und ungewöhnlich jedoch Klemmgummis in den Türen und eine weiche Teppichmatte auf der Armaturentafel, wo das Mobiltelefon einen weichen, aber alles andere als bremssicheren Platz findet.
Als Konkurrent von Charakterköpfen wie Kia Soul, Toyota Urban Cruiser oder Daihatsu Materia hat der Nissan Cube gute Aussichten. Doch der Preis muss stimmen. Eine iPod-Schnittstelle wäre ebenfalls nicht schlecht. In den USA gibt es allein einen Klinkenstecker. Da werden die Apple-Jünger toben.

