«Sehenden Auges in die Katastrophe gelaufen»
23.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Skandal um nicht funktionierende Rußpartikel-Nachrüstfilter geht in die nächste Runde. Am Freitag entschied das Verwaltungsgericht Dessau-Roßlau, dass das Umweltbundesamt (UBA) der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Messdaten zum Funktionieren von Diesel-Rußfiltern herausgeben müsse.
Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte das Ministerium die Hersteller von Nachrüstlösungen zum Gespräch gebeten. Schon damals hatte sich herausgestellt, dass nicht alle Unternehmen die erforderlichen Ergebnisse erbringen konnten. «Das zeigt, dass man sehenden Auges in die Katastrophe gelaufen ist», sagte Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse der DUH, der Autogazette. Das Ministerium hatte daraufhin die Ausgabe der Ergebnisse eines vom UBA beauftragten Prüflabors aus der Schweiz unter dem Hinweis auf das umstrittene Prüfverfahren verweigert. Aus denen geht hervor, dass bereits zu diesem Zeitpunkt die Filter der Firma GAT Fehlfunktionen aufgewiesen hatte.
«Es hätte alles verhindert werden können, wenn das Ministerium rechtzeitig reagiert hätte», sagt Rosenkranz. Stattdessen werde nun die Schuld auf Personen im Umweltbundesamt geschoben, die aber seit je her auf die Versäumnisse hingewiesen hatten, fügte er hinzu.
Dem Verbraucher- und Umweltschutzverband liegen zudem Dokumente vor, in denen der Betrug der Firma GAT klar aufgezeigt wird. Das Gladbecker Unternehmen hatte Ergebnisse eines Prüfungslabor gefälscht und war mit den manipulierten Ergebnissen zu einem weiteren Labor gegangen, um sich dort ein Zertifikat ausstellen zu lassen, dass die Funktionalität der Filter bescheinigte. Um solche Manipulationen auszuschließen, fordert die DUH laut Rosenkranz, Kurztests bei allen Nachrüstfiltern durchzuführen und die Tests über Feinstaub-Emissionen in die Abgas-Untersuchung (AU) zu integrieren.
Da nie die Namen der Hersteller, deren Filter nicht funktionieren, genannt wurden, musste die gesamte Branche leiden. Bei dem börsennotierten Unternehmen Twintec brach zudem der Aktienkurs ein. Während zur Zeit der IAA im September eine Aktie knapp unter 30 Euro lag, wurde sie am Donnerstag mit rund 16 Euro notiert. Die Anbieter teurerer Filterlösungen hatten Marktanteile an Firmen verloren, die ihre Filter zu deutlich günstigeren Preisen angeboten hatten. Diese waren jedoch mangelhaft oder hatten teilweise gar keine Filterfunktion.

