Nach Auslaufen der Abwrackprämie:
Dem Boom folgt der Absturz
BMW sieht sich nicht als ein Kandidat für Staatshilfe. Eine Bürgschaft vom staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin werde BMW ziemlich sicher nicht beantragen, sagte Finanzvorstand Friedrich Eichinger bei dem hochkarätig besetzten Kongress. «Wir sind jetzt nicht in einer Notlage». Die Option habe man sich angesichts der schwierigen Lage auf den Kapitalmärkten offengehalten. Wegen der inzwischen eingetretenen Entspannung sei ein solcher Schritt derzeit aber nicht notwendig.
Winterkorn nannte als zentrale Probleme die Batterie, den Preis und die Infrastruktur, etwa flächendeckende Stromtankstellen sowie die Tankdauer. «Wenn Sie heute eine Minute lang Strom tanken, kommen Sie damit rund einen Kilometer weit. Wenn Sie in der gleichen Zeit herkömmlichen Kraftstoff tanken, liegt die Reichweite bei 1000 Kilometern.» Zwar sei die deutsche Autoindustrie in Sachen Elektromobilität frühzeitig aktiv gewesen. Sie habe dann aber nicht konsequent genug weiter gearbeitet. «Und da schließe ich uns bei Volkswagen durchaus selbstkritisch mit ein.»
Besonders die Speicherkapazität der Batterien lässt noch zu wünschen übrig. Deshalb wird der Verbrennungsmotor nach Ansicht von Bernd Bohr vom Zulieferer Bosch noch in den nächsten 20 Jahren dominieren. «Der Elektroantrieb ist heute noch sehr teuer und damit kein Massenphänomen.» Die Richtung der Branche ist nach Worten des Vorstandschefs des Zulieferers Continental, Karl-Thomas Neumann, aber ganz klar. «Nach und nach werden alle Fahrzeuge elektrifiziert.» Elektro alleine reiche nicht aus, sagte Winterkorn. Mittelfristig werde es einen Mix aus Antriebskonzepten geben, etwa hocheffiziente Verbrennungsmotoren, Erdgasfahrzeuge oder Hybride.
Um ihre Kräfte zu bündeln, loten mehrere Hersteller Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aus. Auch die Erzrivalen BMW und Daimler prüfen seit langem eine stärkere Kooperation. «Wir sprechen weiter intensiv mit Daimler», sagte Eichiner. Mit Neuigkeiten zum Stand der Zusammenarbeit könne im Laufe des Jahres gerechnet werden. BMW arbeitet auch mit dem französischen Wettbewerber Peugeot bei den Motoren der britischen Tochter MINI zusammen. (dpa)
