Absatzboom durch Abwrackprämie:
Ende der Euphorie rückt näher
Dielenschneider ist mit seiner düsteren Prognose nicht allein. Auch ranghohe Manager wie Daimler-Chef Dieter Zetsche hatten in den vergangenen Monaten den staatlich angeheizten Absatzboom als «Strohfeuer» bezeichnet. Geholfen hat es dem privaten Markt, der gewerbliche Markt musste im ersten Halbjahr 2009 deutliche Rückgänge hinnehmen.
Bislang stützt sich die gestiegene Inlandsnachfrage auf die Privatkunden - vor allem solche, die Kleinwagen kaufen. Damit die Branche im kommenden Jahr nicht ins Bodenlose stürzt, setzt der Verband der Automobilindustrie (VDA) auch auf einen spürbaren Anstieg bei der Nachfrage nach Dienstwagen. Für den Experten Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen ist klar: «Wenn die nicht anspringt, haben wir ein Riesenproblem. Das ist der Dreh- und Angelpunkt.» Auch müssten die Hersteller sich verstärkt an die «gesellschaftliche Mitte» wenden, um den Absatz von Mittelklassewagen zu steigern.
Die Autoindustrie hat große strukturelle Probleme: Weltweit gibt es enorme Überkapazitäten, die Autobauer setzten lange vor allem auf Wachstum. Auf vielen wichtigen Märkten toben Rabattschlachten, welche die Margen der Hersteller nach unten drücken. Der AlixPartners-Studie zufolge muss die weltweite Automobilbranche in diesem Jahr pro verkauftem Auto im Schnitt rund 1800 Euro Verlust verbuchen.
Die Automobilindustrie müsse sich auf eine lange Durststrecke einstellen, heißt es in der Studie. Viele Probleme seien hausgemacht: «Rabattprogramme oder «stille» Rabatte in Form von gehobener Ausstattung zum Nulltarif sind keine langfristige Lösung. Die globale Wirtschaftskrise hat einige Unternehmen der Autoindustrie nur schneller in das Ende der Sackgasse geführt - falsch abgebogen sind sie schon vorher.»
In der Branche dürfte es daher in den nächsten Jahren zu einer Marktbereinigung kommen. Die einst stolzen US-Autoriesen General Motors (GM) und Chrysler kämpfen mit staatlicher Hilfe ums Überleben, Ford will es allein aus der Krise schaffen. Die Zukunft der GM- Tochter Opel bleibt ungewiss. Noch bedrohlicher ist die Lage der Autozulieferer, es droht eine Pleitewelle. Und die Nutzfahrzeughersteller gehen durch ein tiefes Tal der Tränen. (dpa)

