Los Angeles Auto Show: 

netzeitung.deLeben und Sterben in L.A.

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Gähnende Leere bei GM (Foto: press-inform<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gähnende Leere bei GM
Foto: press-inform
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Keine hübschen Hostessen und keine Shows. GM und Chrysler zelebrieren auf der L.A. Autoshow die große Depression. Immerhin: Ford, Europa und Asien machen gute Mine zum toten Spiel.

Von Sebastian Viehmann und Stefan Grundhoff

Im März 1929 verwandelte ein Kurzschluss die Hallen der Los Angeles Auto Show in ein Flammenmeer. Die Besucher konnten sich retten, doch binnen Minuten brannten Autos im Wert von mehr als einer Millionen Dollar lichterloh. Getreu dem Motto «The show must go on» wurde die Automesse 24 Stunden später mit Ersatzfahrzeugen in einer anderen Halle fortgesetzt, und die Menschen konnten von ihren nächsten Automobilen träumen. Ein paar Monate später allerdings kam der große Börsencrash. Aus der Traum. Wie sich die Zeiten gleichen.

Kein Vertrauen mehr
Auch in diesem Jahr weiß niemand, wie lange die Show der großen drei aus Detroit noch weitergeht. Chrysler, General Motors und Ford erbetteln von der US-Regierung Milliardenhilfen, angeblich stehen mehr als drei Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen bittet GM die Amerikaner um Verständnis und drückt auf die Tränendrüse.

Man habe die Produktion bereits von Pick-ups und SUV auf kleinere Autos verlagert und werde staatliche Hilfen zur Entwicklung neuer, effizienterer Modelle verwenden. «Wir brauchen zur Überbrückung der globalen Finanzkrise ein Darlehen, das den amerikanischen Steuerzahlern zurückgezahlt werden wird», lautet das Versprechen. Doch das Vertrauen der Kunden ist längst über alle Berge.

Endzeitstimmung im Hospizzimmer
Doch noch herrscht Endzeitstimmung bei General Motors und Chrysler. Ihre Stände auf der L.A. Auto Show wirken wie Hospizzimmer von Todkranken, die man aus Furcht vor Depressionen eilig wieder verlässt. Bei Chrysler beleuchten nicht einmal Scheinwerfer die wild durcheinander geparkten Ladenhüter.

Bei GM wartet man an verlassenen Ständen vergeblich auf Informationen. Ein paar nervöse PR-Manager huschen zwischen den Autos herum und vermitteln Interviews mit Firmensprechern vor dem einzigen Fahrzeug, das noch die Blicke auf sich zieht: Das Elektroauto Chevrolet Volt soll dem Autoriesen aus der Krise helfen. Doch es kommt erst 2010 in den USA auf den Markt. Und eine Schwalbe macht noch keinen US-Sommer.

Patriotismus adé
Optimistischer zeigt man sich bei Ford. In der «Mustang Alley» feiert die Marke das jüngste Facelift seines Sport-Coupés, das sich in den USA recht gut verkauft. Viel wichtiger jedoch ist die Neuauflage der Kompaktlimousine Fusion. «Gute Produkte bringen uns durch harte Zeiten», glaubt Ford-Chef Mark Fields. Der Fusion erscheint 2009 sowohl mit Vierzylinder-Benziner und V6 als auch mit Hybridantrieb und soll sparsamer sein als die kompakten Marktführer Toyota Camry und Honda Accord. «Mit dem Hybrid kommen Sie 700 Meilen weit – Sie tanken nur einmal im Monat», verkündete ein Ford-Sprecher mit spürbarer Erleichterung. Überzeugend klang jedoch auch er nicht.

Die patriotische Karte nach dem Motto «Buy American» spielt bislang noch niemand aus. Es wäre auch ziemlich scheinheilig, denn in vielen US-Produkten steckt wenig Amerika drin. Der Saturn Astra etwa, ein Klon des Opel-Modells, besteht laut Herstellerinformationen nur zu 3 Prozent aus US-Teilen. Ein Drittel der Teile kommt aus Deutschland, der Motor aus Ungarn, das Getriebe aus Japan und gebaut wird der Wagen in Belgien.

Massenauflauf bei Nissan
Zu den wenigen echten Neuheiten, die in L.A. zu sehen sind, zählt die sehr dynamisch wirkende Stufenheckversion des Mazda 3. Bereits der aktuelle 3er kam prächtig an. Das neue Modell ist etwas mutiger, orientiert sich jedoch etwas zu stark am Vorgänger und wirkt daher fast wie eine Modellpflege. Bei Lamborghini sorgt die 560 PS starke Spyder-Version des Gallardo für jede Menge Aufsehen. Allein Sparmobile holen eben auch in den USA keinen hinter dem Ofen hervor.

Einen regelrechten Massenauflauf gab es bei Nissan, als der 370 Z enthüllt wurde. Der schnittige Zweisitzer hält bei den Japanern mit einem 332 PS starken 3,7-Liter V6 die Sportler-Fahne hoch. Ungleich undynamischer, aber irgendwie sympathisch wirkt die dritte Auflage des Nissan Cube, die auch nach Europa kommt.

Angst vor kleinen Hubräumen
Bei den alternativen Antrieben sind sowohl Hybride als auch E85-taugliche FlexFuel-Varianten populär – letztere vor allem bei großen Pick-ups und Geländewagen. Bei VW, Audi und BMW setzt man dagegen auf saubere Dieseltechnik. Mit Infotafeln und interaktiven Stationen im Grundschul-Niveau rücken viele Hersteller die Vorteile effizienter V6-Aggregate gegenüber V8-Motoren ins Rampenlicht. In einem Land, in dem selbst ein VW Golf mit einem 2,5 Liter großen Benziner an den Start geht, traut man kleinen Hubräumen immer noch nicht so recht über den Weg. Großes Problem: die Kraftstoffpreise in den USA sind so günstig wie seit Jahren nicht. Eine Gallone (3,8 Liter) kostet gerade einmal 2,50 Dollar. Wer gibt da gerne viel Geld für einen Hightech-Diesel im Audi Q7, Q5 oder dem neuen BMW-Doppel 335d und X5 3.5 Diesel aus?

Weil nicht einmal die Wirtschaftskrise die Sonne Kaliforniens verdunkeln kann, darf man sich auch in diesem Jahr über neue Cabrios freuen. Ford zeigt den offenen Facelift-Mustang, Lexus den IS 250C und Infiniti die elegante Klappdach-Version des G37 Coupés. Den heißesten Sonnenanbeter – vom Gallardo Spyder einmal abgesehen – hat Porsche im Gepäck. Die neue Boxster-Generation ist trotz Mehrleistung (255 PS, Boxster S 310 PS) sparsamer geworden und bietet optional ein Doppelkupplungsgetriebe. Gegen die weltweite Absatzkrise sei man auch bei Porsche nicht immun, hieß es bei der Vorstellung des Boxster und seines Coupé-Bruders Cayman. «Doch ob Sie es glauben oder nicht», so ein Porsche-Sprecher, «die Leute werden immer Autos lieben».