Los Angeles Auto Show:
Leben und Sterben in L.A.
20.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Im März 1929 verwandelte ein Kurzschluss die Hallen der Los Angeles Auto Show in ein Flammenmeer. Die Besucher konnten sich retten, doch binnen Minuten brannten Autos im Wert von mehr als einer Millionen Dollar lichterloh. Getreu dem Motto «The show must go on» wurde die Automesse 24 Stunden später mit Ersatzfahrzeugen in einer anderen Halle fortgesetzt, und die Menschen konnten von ihren nächsten Automobilen träumen. Ein paar Monate später allerdings kam der große Börsencrash. Aus der Traum. Wie sich die Zeiten gleichen.
Man habe die Produktion bereits von Pick-ups und SUV auf kleinere Autos verlagert und werde staatliche Hilfen zur Entwicklung neuer, effizienterer Modelle verwenden. «Wir brauchen zur Überbrückung der globalen Finanzkrise ein Darlehen, das den amerikanischen Steuerzahlern zurückgezahlt werden wird», lautet das Versprechen. Doch das Vertrauen der Kunden ist längst über alle Berge.
Bei GM wartet man an verlassenen Ständen vergeblich auf Informationen. Ein paar nervöse PR-Manager huschen zwischen den Autos herum und vermitteln Interviews mit Firmensprechern vor dem einzigen Fahrzeug, das noch die Blicke auf sich zieht: Das Elektroauto Chevrolet Volt soll dem Autoriesen aus der Krise helfen. Doch es kommt erst 2010 in den USA auf den Markt. Und eine Schwalbe macht noch keinen US-Sommer.
Die patriotische Karte nach dem Motto «Buy American» spielt bislang noch niemand aus. Es wäre auch ziemlich scheinheilig, denn in vielen US-Produkten steckt wenig Amerika drin. Der Saturn Astra etwa, ein Klon des Opel-Modells, besteht laut Herstellerinformationen nur zu 3 Prozent aus US-Teilen. Ein Drittel der Teile kommt aus Deutschland, der Motor aus Ungarn, das Getriebe aus Japan und gebaut wird der Wagen in Belgien.
Einen regelrechten Massenauflauf gab es bei Nissan, als der 370 Z enthüllt wurde. Der schnittige Zweisitzer hält bei den Japanern mit einem 332 PS starken 3,7-Liter V6 die Sportler-Fahne hoch. Ungleich undynamischer, aber irgendwie sympathisch wirkt die dritte Auflage des Nissan Cube, die auch nach Europa kommt.
Weil nicht einmal die Wirtschaftskrise die Sonne Kaliforniens verdunkeln kann, darf man sich auch in diesem Jahr über neue Cabrios freuen. Ford zeigt den offenen Facelift-Mustang, Lexus den IS 250C und Infiniti die elegante Klappdach-Version des G37 Coupés. Den heißesten Sonnenanbeter vom Gallardo Spyder einmal abgesehen hat Porsche im Gepäck. Die neue Boxster-Generation ist trotz Mehrleistung (255 PS, Boxster S 310 PS) sparsamer geworden und bietet optional ein Doppelkupplungsgetriebe. Gegen die weltweite Absatzkrise sei man auch bei Porsche nicht immun, hieß es bei der Vorstellung des Boxster und seines Coupé-Bruders Cayman. «Doch ob Sie es glauben oder nicht», so ein Porsche-Sprecher, «die Leute werden immer Autos lieben».

