Nobelmarkt China:
Adieu Drahtesel
02.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Volkswagen ist in China seit vielen Jahren die unangefochtene Nummer eins; die Langversion des alten Passat und der aktuelle China-Passat namens Magotan gelten als beliebte Chauffeurfahrzeuge. Doch in einem Land, in dem ein Fahrrad umgerechnet gerade einmal zehn Euro kostet, geht es noch teurer als mit einem Mittelklasse-VW. Audi, Mercedes, BMW und Porsche haben sich ähnlich wie andere Luxusmarken längst in Szene gebracht. BMW entwickelte speziell für den chinesischen Massenmarkt die Langversion des 5ers die gibt es nicht einmal auf dem Heimatmarkt Deutschland. Auch Audi bietet seinen A6 seit Jahren mit Erfolg an natürlich als XL-Version. «Wir könnten eine lange E-Klasse gut gebrauchen», klagt Sunny Tan, Chefverkäufer des größten Mercedes-Händlers in Peking. Der Ruf blieb in Stuttgart nicht unerhört. «Es lohnt sich, über so ein Auto nachzudenken», erklärte jüngst Daimler-Vorstand Dieter Zetsche. Schließlich steht die neue Mercedes E-Klasse bereits vor der Tür. «Heute steht China in unserer Weltrangliste noch auf dem zehnten Platz», so Zetsche. «Aber in fünf Jahren wird das Land wohl auf Platz drei sein.»
Auch der Sportableger AMG ist seit rund einem Jahr auf Chinas Automarkt vertreten mit eindrucksvollem Erfolg. Innerhalb der letzten zwölf Monate wurden rund 400 Fahrzeuge verkauft. «Besonders beliebt ist der G 55 AMG, aber auch die AMG-Versionen von S- und E-Klasse laufen ausgezeichnet», erzählt Sunny Tan, «wir bekommen gar nicht so viele Autos, wie wir verkaufen könnten.» Die Kunden warten gerne ein halbes Jahr, um ihr Traummobil zu bekommen. Die Ausstattung ist bei den europäischen Premiummarken vergleichbar und gleichermaßen komplett. Bei der Farbe gibt es keine Überraschungen: «Schwarz, schwarz und nochmals schwarz», ruft Sunny Tan fast stolz heraus, «allein ein SLK oder ein CLK werden auch einmal in einer anderen Farbe nachgefragt und einige AMG-Modelle sind silber.»
Seit Ende der 50er Jahre weht das automobile Aushängeschild über dem Milliardenstaat. Die oberen Tausend mit politischem Schwergewicht reisen bis heute in den schwarzen Luxuslimousinen von Hongqi mit der roten Finne auf der Motorhaube. Unter dem durchweg ausladenden Blechkleid gab es in den letzten fünf Jahrzehnten Fahrzeuge verschiedenster Colour aus der ehemaligen UdSSR, den USA und selbst aus Deutschland. Das aktuelle Topmodell heißt HQ3 und basiert auf dem Toyota Crown Majesta. Der knapp fünf Meter lange Luxusliner ist eine komfortable und überaus patriotische Alternative zu Mercedes S-Klasse, 7er BMW und Audi A8. In jedem Fall bietet der HQ3 nicht souveräner Leistung mit sechs und acht Zylindern, sondern auch allen erdenklichen Luxus. Auf Wunsch ist der schwarze Prachtbolide auch als Panzerversion zu bekommen.
Das Tempolimit von 120 km/h ist in China für die Edelkundschaft übrigens kein Problem. Ein Strafpunktesystem gibt es trotz zahlreicher Geschwindigkeitskontrollen nicht und eine Tempoüberschreitung auf Tempo 200 kostet umgerechnet gerade einmal 20 Euro. «Das interessiert von unseren Kunden niemanden», so Sunny Tan, der auch schon Maybachs und SLR-Modelle an den Mann gebracht hat. Übrigens ist der Frauenanteil bei den kleineren Mercedes-Modellen SLK oder CLK fast 50 Prozent.

