netzeitung.deBerlin wählt Obama

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Ein Wahlhelfer mit einer demokratischen Wählerin in Berlin (Foto: Caroline Benzel <br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Wahlhelfer mit einer demokratischen Wählerin in Berlin
Foto: Caroline Benzel
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Herz der Berliner Demokraten schlägt für Obama, meint Caroline Benzel . Sie war bei den Vorwahlen der Auslandsdemokraten dabei. Deren Stimmen könnten bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen entscheidend sein.

Es sieht schlecht aus für die Demokratin Hillary Clinton. 64 haben für ihren Rivalen Barack Obama gestimmt, nur 20 für die ehemalige First Lady, die jetzt die erste weibliche Präsidentin der Vereinigten Staaten werden will. Zum Glück für Clinton handelt es sich nicht um offizielle Prozentzahlen, sondern um die Stimmen der «Democrats Abroad» in Berlin.

Es ist 21 Uhr und 64 der anwesenden Auslandsdemokraten haben Obama ihr Votum gegeben. Am so genannten Super Tuesday wird nicht nur in 24 US-Bundesstaaten gewählt, auch die Auslandsdemokraten können erstmalig bei einer Vorwahl ihre Stimmen abgeben. «Sie sind praktisch ein weiterer Bundesstaat», sagt Michael Steltzer, Vorsitzender der Berliner «Democrats Abroad».

Elf Stimmen aus dem Ausland
Für eine Nominierung brauchen die Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur 2025 Delegiertenstimmen, elf haben die Auslandsdemokraten zu vergeben. Ihre 22 Delegierten, die bei der Kandidatenwahl teilnehmen, haben jeweils eine halbe Stimme.

Wie viel die Stimmen der Berliner Demokraten wert sind, wird sich in sechs Wochen zeigen. Dann treffen sich die «Democrats Abroad» in Brüssel. Je nachdem, welche Wahlbeteiligung die Demokraten in Europa aufweisen, fällt die Stimmgewichtung aus. Bei den Berliner Demokraten in der Kreuzberger Kneipe «Max und Moritz» sieht es gut aus. Die wahlwilligen Amerikaner stehen vom ersten Stock, die Treppe runter bis zur Straße und waren darauf, ihr Votum abzugeben.

Qual der Wahl
Julius Williams, der als Musiker und Englisch-Lehrer in Berlin lebt ist einer von ihnen. Der Afroamerikaner aus Connecticut wird für Obama stimmen. «Mir gefällt keiner von beiden so richtig, aber mit Bill Clinton als Präsident hatten wir bereits acht Jahre Hillary.» Er glaubt allerdings, dass Clinton das Rennen macht. «Hauptsache ist, dass die Republikaner die Wahl verlieren. Hoffentlich ist es nicht zu spät.»

Die 22-jährige Kerstie Bellardie aus Kalifornien wird ebenfalls den schwarzen Senator aus Illinois wählen. «Er ist fortschrittlicher, liberaler. Außerdem will er uns innerhalb eines Jahres aus dem Irak-Krieg bringen », begründet sie ihre Entscheidung.

Warten fürs Wählen
Die lange Schlange der Wahlwilligen bewegt sich nur langsam die Treppe hoch, trotzdem verliert niemand die Geduld. Viele Anwesende sehen diese Abstimmung als Schicksalswahl, sie sind froh, sich auch als Auslands-Amerikaner an den Vorwahlen beteiligen zu können. Zumal viele der Anwesenden erst am Wahl-Abend Mitglieder der Demokraten werden.

Englisch ist an diesem Abend Amtssprache. Aus allen Ecken klingen englische Wortfetzen, unterhalten sich Amerikaner über ihre Kandidaten. Zugelassen sind ausschließlich US-Bürger, die im Ausland leben. Bevor sie an die Wahlurne mit dem ausschlagenden Esel treten dürfen, müssen sie ihrem amerikanischen Pass und die deutsche Meldebestätigung vorlegen.

Öffentliche Wahl
Von einer geheimen Wahl kann im «Max und Moritz» allerdings keine Rede sein. Auf jeden Demokraten, der es bis in den ersten Stock ins Wahllokal geschafft hat, kommen drei Journalisten. Es wird nicht nur jede einzelne Stimmabgabe gefilmt und fotografiert, fast jeder Anhänger wird auch zu seiner Entscheidung und den Beweggründen befragt. Tatsächlich ist es für die Wählenden nicht ganz einfach an den verschiedenen Kamerateams vorbei bis zur Wahlurne zu gelangen.

Doch kamerascheu ist niemand der Anwesenden. Sie geben bereitwillig und wiederholt Auskunft, sie sind stolz auch etwas zu einer Veränderung in ihrem Land beizutragen, ein anderes Amerika zu ermöglichen. «Wir spüren die amerikanische Außenpolitik am eigenen Leib», sagt Steltzer, «deswegen wollen wir etwas verändern.»

Peinlich Amerikanerin zu sein
Aus diesem Grund ist auch die Übersetzerin Vanessa Van Ornam aus Nebraska hier. «Ich bin seit 15 Jahren ein großer Hillary-Fan.» Die Senatorin von New York sei stark, kompetent und erfahren. «Außerdem will sie eine flächendeckende Krankenversicherung einführen.» Aber auch sie sagt: «Ich könnte mit Obama leben.» Sie wolle endlich wieder stolz auf ihr Land sein, denn ihre Nationalität sei in den letzten Jahren eher peinlich gewesen.

Angelo Roca, ein ehemaliger Flugbegleiter der Panam sieht Politiker generell kritisch, aber auch er wird für Clinton stimmen. «Ich wähle die Person, die am wenigsten Schaden anrichtet.» Am liebsten wäre ihm eine Clinton-Obama-Kombination, in der Obama das Amt des Vize-Präsidenten übernimmt.

Der Exil-New Yorker sitzt auf einem Holzstuhl an der Wand, hinter ihm Girlanden in rot-weiß-blau. An der Decke schweben rote Luftballons, hinter der Wahlurne hängt die amerikanische Flagge. Die Kneipe wurde für die Wahl liebevoll dekoriert.

Wähler müssen am Ball bleiben
Seine Pflicht sei mit der Wahl nicht beendet, meint Roca. Jeder Wähler müsse Politiker ständig auf wichtige Themen aufmerksam machen, anrufen, Faxe und E-Mails schreiben. Er hat eine Vision. 100 Millionen Amerikaner sollten sich gleichzeitig krank melden und nicht zur Arbeit erscheinen. Wenn sie dann alle gemeinsam eine Krankenversicherung fordern, würden die Politiker auch auf sie hören, glaubt er.

Ein offizielles Ergebnis aller «Democrats Abroad » gibt es erst am 21. Februar. Die Berliner Auslandsdemokraten haben am Samstag erneut die Chance, im «Max und Moritz» ihre Stimmen abzugeben und politische Visionen zu diskutieren. Michael Steltzer weiß immer noch nicht, wen er wählen soll. «Mein Kopf sagt Hillary und das Herz Obama.» Solche Zweifel brauchen die Auslands-Republikaner nicht zu quälen. Sie können bei den Vorwahlen ihrer Partei nicht teilnehmen.