Rebellen im Tschad belagern Präsidentenpalast
03. Feb 2008 12:20, ergänzt 15:36
 |  Präsident Iriss Deby gerät in Bedrängnis | Foto: AP |
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Große Teile der Hauptstadt N'Djamena wurden von Rebellen eingenommen. Präsident Deby soll sich in seinem Amtssitz verschanzt haben. Über 500 Ausländer wurden bereits ausgeflogen.
Die tschadischen Rebellen bringen mit ihrer Offensive in der Hauptstadt N'Djamena die Regierung von Präsident Idriss Deby zunehmend in Bedrängnis. Bei den Kämpfen wurden am Sonntag auch schwere Waffen und Hubschrauber eingesetzt. Am Vortag waren mehrere hundert Rebellen nach N'Djamena vorgerückt. Sie stießen bei ihrem Vorstoß zum Präsidentenpalast mit Regierungstruppen zusammen. Augenzeugen berichteten von Plünderungen, Schusswechseln und Explosionen.
Französische Experten schätzten die Zahl der gut bewaffneten Angreifer auf 1500 bis 2000. Deby könne sich auf bis zu 3000 Getreue stützen, sagte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin am Sonntag im Rundfunk. Nach seinen Informationen sei Debys Oberbefehlshaber bei den Kämpfen getötet worden. «Deby ist immer noch Präsident», sagte Morin. Doch man stehe offenbar unmittelbar vor einer Entscheidung. Frankreich hatte Fernsehberichten zufolge dem im Präsidentenpalast verschanzten Präsidenten vergeblich angeboten, ihn außer Landes zu bringen.
Bundesregierung beobachtet Situation
Die französischen Streitkräfte haben bislang 514 Menschen aus der umkämpften tschadischen Hauptstadt nach Gabun ausgeflogen. Darunter seien 217 Franzosen und 297 Bürger anderer Staaten, teilte das Pariser Außenministerium am Sonntag mit. 400 weitere Ausländer warteten in N'Djamena in Sammelzentren auf eine mögliche Ausreise. Auch die Bundesregierung stellte sich auf eine mögliche Rettung der im Tschad lebenden Deutschen ein. «Nach Regierungsangaben befindet sich im Tschad eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger, von denen ein Teil gegebenenfalls aus dem Land gebracht würde«, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Gemeinsam mit den europäischen Partnern sei man auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet.
Eufor Mission gefährdet
Die Kämpfe stellen auch die Stationierung der europäischen Truppe zum Schutz der Flüchtlinge in Osttschad und der Zentralafrikanischen Republik (Eufor) infrage. Die Entsendung der 3700 Soldaten sei «bis Mittwoch suspendiert» worden, sagte Morin. Frankreich schließt ein Eingreifen in seiner ehemaligen Kolonie aus. Das Militärabkommen verpflichtet die Franzosen nur, die Regierung über feindliche Truppenbewegungen zu unterrichten und logistische und medizinische Hilfe zu leisten. Unklar ist, wie die Rebellen mit ihren 300 Fahrzeugen rund 700 Kilometer von der sudanischen Grenze bis N'Djamena fahren konnten, obwohl das Gebiet ständig von französischen Aufklärern der Typen Mirage F1 CR und Atlantic II überwacht wird.
1900 französische Soldaten im Tschad
Frankreich hat jetzt 1900 Soldaten im Tschad, davon 1600 in N'Djamena. Seit 1986 sind 1300 Mann in dem Wüstenstaat stationiert. Dazu kommen zwei Fallschirmjägerkompanien, die Paris als Verstärkung aus Gabun verlegt hat, und französische Vorauskontingente der Eufor. Bereits seit Freitag werde die Sicherheit des Flughafens N'Djamena von französischen Truppen gewährleistet, erklärte Armeesprecher Christophe Prazuck. (AP/dpa)