Sex-Skandal verstört Griechenlands Wähler
31.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Blick auf die Akropolis in Athen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Vertrauen in die großen griechischen Parteien ist auf einem Tiefpunkt. Nach dem Selbstmordversuch eines Freundes von Premier Karamanlis werden alte Schmuddelgeschichten aufgewärmt.
Einen Monat nach Aufdeckung eines Sexskandals scheint das politische System Griechenlands mächtig ins Wanken geraten zu sein. Erstmals seit Jahrzehnten bekunden laut Umfragen weniger als 60 Prozent der Bürger Vertrauen in die beiden großen Parteien: die regierende konservative Nea Dimokratia (ND) und die oppositionelle Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok). Bislang kamen die beiden Parteien stets auf mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen. Für Regierungschef Kostas Karamanlis kommt es noch dicker. Mehr als die Hälfte der Bürger halten ihn für unfähig, Korruption und Vetternwirtschaft im Land zu bekämpfen.
Hintergrund ist der Selbstmordversuch des früheren Generalsekretärs im griechischen Kulturministerium, Christos Zachopoulos. Der 53-Jährige, ein enger Freund des griechischen Premiers Karamanlis, hatte sich Ende Dezember aus dem vierten Stock seiner Wohnung im Zentrum Athens gestürzt und schwer verletzt überlebt. Die Ermittlungen ergaben, dass der Ex-Generalsekretär mit einem Sex-Video erpresst worden war, auf dem er mit seiner Sekretärin zu sehen war. Als er die Zahlung von 200.000 Euro verweigerte, wurde das Video an den Ministerpräsidenten geschickt. Dieser forderte daraufhin den Rücktritt seines Freundes und Mitarbeiters.
Schlammschlacht nach Sex-VideoDem Skandal folgte eine nie dagewesene Schlammschlacht, die in den TV-Sendern des Landes jeden Abend aufs Neue ausgetragen wird. Alte Sexskandale und Korruptionsaffären werden wieder aufgewärmt und den Zuschauern präsentiert. Verleger und Star-Journalisten sollen vom Fall der Erpressung von Zachopoulos seit Monaten gewusst und ihn verheimlicht haben. Mindestens zwei Regierungsabgeordnete sollen Verlegern von Boulevardzeitungen die Einstellung von Verfolgungen wegen Geldwäsche versprochen haben, wenn sie den Skandal verheimlichen würden.
Hauchdünne Mehrheit ist in GefahrMinisterpräsident Karamanlis scheint in dieser Situation machtlos zu sein. Er verfügt nur über eine hauchdünne Mehrheit von 152 der 300 Abgeordneten im Parlament. Sollte er die beiden Abgeordneten feuern, die in den Skandal verwickelt sein sollen, würden Neuwahlen unausweichlich werden.
Doch auch die Sozialisten können nicht von dem Chaos profitieren: Nach mehreren Wahlniederlagen wird die Partei des ehemaligen griechischen Außenministers Giorgos Papandreou von Machtkämpfen erschüttert. «Das ist das Drama der Politik in Griechenland heutzutage. Die Regierung kann nicht richtig regieren und die Opposition kann nicht beweisen, dass sie eine Alternative ist», sagt der Chefredakteur der linken Athener Zeitung «Avgi», Nikos Filis.
Fast 18 Prozent für die LinkenLachende Dritte sind in diesem Fall die kleineren griechischen Parteien. Erstmals kommen den Umfragen zufolge die beiden linken Parteien, die Kommunistische Partei und das Bündnis der Radikalen Linken, gemeinsam auf fast 18 Prozent der Stimmen.
(Von Takis Tsafos, dpa)