02. Dez 2007 14:24, ergänzt 16:46
Nach Berichten der Opposition wurden Wähler mit Bussen durch Moskau gefahren, um ihre Stimme mehrfach abzugeben. Wahlbeobachter bekamen dagegen keinen Zutritt zu den Wahllokalen.
Die Opposition befürchtete, dass mit Hilfe der Berechtigungsscheine eine mehrfache Stimmabgabe ermöglicht werde. Die Wahlleitung in Moskau sprach dagegen am Nachmittag von einem «ruhigen Wahlverlauf ohne ernste Zwischenfälle», wie die Agentur Itar-Tass meldete.Die liberale Jabloko-Partei berichtete von Autobussen, mit denen Dutzende Männer und Frauen zur mehrfachen Stimmabgabe durch Moskau gefahren worden seien. Die Opposition beklagte zudem, dass ihre Wahlbeobachter mancherorts keinen Zugang zu den Wahllokalen erhielten.
Der Oppositionspolitiker und ehemalige Schachweltmeister Garry Kasparow bezeichnete die Wahl als Farce. «Tatsache ist, sie manipulieren nicht nur die Wahl. Sie schänden das demokratische System», sagte Kasparow am Sonntag. Das Verhalten des Kremls verhelfe der bislang zerstrittenen Opposition zur Einigung, ist Kasparow aber zuversichtlich. «Es wird trotz des Gegendrucks eine Kraft in Russland geben, die mit einer neuen Form von Diktatur nicht einverstanden ist.» Der Politiker war erst am Donnerstag aus fünftägiger Haft entlassen worden, nachdem er an einer von der Polizei gewaltsam aufgelösten Demonstration teilgenommen hatte.
Präsident Wladimir Putin bekannte nach der Stimmabgabe, er sei in «Festtagslaune». Er sei sich sicher, dass die Russen jene Politiker wählten, denen sie vertrauten, sagte der Spitzenkandidat der Partei Geeintes Russland nach der Stimmabgabe im Hauptgebäude der Akademie der Wissenschaften in Moskau. «Gott sei Dank, dass der Wahlkampf vorbei ist», sagte Putin. Nach einem Plausch mit anderen Wählern führte der Kremlchef seine Frau Ljudmila zum Mittagessen in ein Moskauer Restaurant mit Spezialitäten aus Sibirien.Nach jüngsten Umfragen kann Geeintes Russland mit einer Zweidrittelmehrheit der insgesamt 450 Mandate rechnen. Putin hatte angekündigt, auch nach dem Ende seiner Amtszeit im Frühjahr 2008 weiter Einfluss auf die Politik seines Landes zu nehmen. Voraussetzung dafür sei aber eine hohe Wahlbeteiligung sowie ein gutes Ergebnis der Kremlpartei bei der Dumawahl, hatte Putin im Wahlkampf verkündet. (nz/AP/dpa)