29. Nov 2007 21:07
Die Lehrerin aus Liverpool, Gillian Gibbons, ist im Sudan zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sie habe den Islam beleidigt, weil sie Schülern erlaubte, einen Teddy «Mohammed» zu nennen.
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum standen Polizisten bereit. Sie sollten verhindern, dass es zu ähnlichen Ausschreitungen kommt wie nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung. «Es herrscht ein Gefühl, dass sie den Propheten missbraucht hat», sagte Mohamad Osman, ein Journalist in Khartum. Die Stimmung sei angespannt. Der Grundschullehrerin Gillian Gibbons aus Liverpool hätten im schlimmsten Fall sogar eine Gefängnisstrafe von drei Monaten oder 40 Peitschenhiebe gedroht. An all das dachte die 54-Jährige wohl nicht, als sie ihrer Klasse in der Unity High School in Khartum im September einen Teddybären vorzeigte und einen Namen für diesen suchte. Es kamen Abdullah und Hassan auf, doch die Schüler entschieden sich für «Mohammed», einen im islamisch geprägten Norden des afrikanischen Landes äußerst häufig vorkommenden Namen.
Wahrscheinlich wäre es dabei geblieben, wenn Gibbons nicht einen Brief an die Eltern geschrieben hätte, in dem sie auf das neue Maskottchen aufmerksam machte. «Wütende Eltern haben sich beschwert und den Fall vor das Bildungsministerium gebracht», erklärte der Sprecher der sudanesischen Botschaft in London, Khalid al Mubarak. Den Stein ins Rollen aber brachte zunächst eine sudanesische Schulsekretärin, die sich über die Lehrerin beschwerte. Am Sonntag wurde Gibbons abgeführt. Es half auch nichts, dass ihr ein kleiner Schüler zu Hilfe kam und sagte, der Bär sei nach ihm und nicht nach dem Propheten der Muslime benannt worden.
Der Fall wirkt umso paradoxer, da sich die Privatschule auf ihrer Internetseite als christlich beschreibt und für Kinder gedacht sei, «deren Eltern eine Ausbildung nach britischem Vorbild» wünschten. Der britische Außenminister David Miliband bestellte umgehend den sudanesischen Botschafter in London ein. Er betonte, es handele sich um einen «arglosen» Fehler. Britische Kommentatoren vermuten, dass der Streit auch mit der Haltung Großbritanniens im Konflikt um die westsudanesische Krisenregion Darfur zusammenhängt.
Gillian Lusk, eine Sudan-Expertin bei der Zeitschrift «Africa Confidential», sagte, die Affäre habe nichts mit dem Islam zu tun, sondern sei von der sudanesischen Regierung hervorgerufen worden. Ausschreitungen erwartete sie jedoch nicht: «Ein paar Leute fühlen sich vielleicht angegriffen, aber ich denke nicht, dass die Sudanesen deshalb auf die Straße gehen.» (Von Annette Reuther, dpa)