netzeitung.de«Sieg Heil»-Rufe in Moskau

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Der 'Russland-Marsch' der Organisation gegen illegale Einwanderung (Foto: dpa/epa/Jurij Kochetkow<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der 'Russland-Marsch' der Organisation gegen illegale Einwanderung
Foto: dpa/epa/Jurij Kochetkow
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sie schwenken die Russland-Trikolore und schwarz-gelb-weiße Fahnen der Anti-Einwanderungs-Bewegung. Doch die Gesinnung unter dem Spasski-Turm in Moskau war am Sonntag braun.

In Moskau zählte die Polizei etwa 1000 Rechtsradikale, in St. Petersburg rund 500. Zum «Tag der nationalen Einheit» protestierten Rechtsextreme am Sonntag mit Hitlergruß, fremdenfeindlichen Parolen und «Sieg-Heil!»-Rufen gegen den Zuzug von Ausländern. Auf einer Gegenveranstaltung riefen rund 3000 Menschenrechtler die Regierung auf, entschiedener gegen wachsenden Fremdenhass und gegen faschistische Tendenzen in Russland vorzugehen.

Denn Russland hat ein Extremisten-Problem: Zwischen Januar und September dieses Jahres zählte das Moskauer Menschenrechtszentrum Sowa 230 Angriffe mit rechtsextremen Hintergrund auf 409 Menschen. Dabei hätten die Täter 46 Menschen getötet. Im Vorjahreszeitraum habe es 180 fremdenfeindliche Anschläge gegeben.

Die Amnesty International warf den russischen Behörden vor, das wahre Ausmaß rassistischer Gewalt gegen Ausländer zu verschleiern. «Fast täglich werden Nichtrussen oder solche, die nicht slawisch aussehen, Opfer von Gewalt», so ein Vertreter der Menschenrechtsorganisation. Die Attacken träfen vorwiegend Menschen aus Ex-Sowjetrepubliken wie Armenien, Aserbaidschan, Georgien oder aus den russischen Kaukasus-Republiken.

Zwölf Festnahmen
Mit vermummten Gesichtern riefen Rechtsextreme in Moskau «Ruhm und Ehre für Russland» und «Alle Macht dem slawischen Volk». Hundertschaften der Miliz und der Sicherheitspolizei Omon sicherten die Kundgebungen der Bewegung gegen illegale Immigration unter ihrem Führer Alexander Below und der nicht zugelassenen Partei Großes Russland von Andrej Sawelew.

Mit Blick auf die Parlamentswahl in einem Monat zeigten sich viele der insgesamt 40 verschiedene Parteien und Bewegungen und organisierten am Feiertag in vielen Städten Russlands Demonstrationen. In St. Petersburg gab es nach Ende einer Kundgebung zwölf Festnahmen, die anderen Veranstaltungen verliefen ohne Zwischenfälle.

Russland hatte vor drei Jahren den 4. November zum Feiertag erklärt. Der Termin bildet die Alternative zum 7. November, an dem die Kommunisten in Russland traditionell an die Große Sozialistische Oktoberrevolution erinnern. Der 4. November geht auf einen Feiertag der russisch- orthodoxen Kirche zurück und erinnert an die Befreiung Moskaus von polnisch-litauischen Besetzern im 17. Jahrhundert. (nz/dpa)