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Kanzlerin Merkel in Afghanistan

03. Nov 2007 11:21, ergänzt 15:01
Merkels erster Besuch in Afghanistan
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Es war der erste Besuch der Kanzlerin am Hindukusch. «Aus erster Hand» wolle sie sich informieren, sagte Merkel bei ihrer Ankunft in Kabul. Nur wenige wussten, dass sie am Samstag dort eintreffen würde.

Als die Bundeskanzlerin am Samstagmorgen dick eingepackt in Schutzwesten und Mantel in den Hubschrauber stieg, hatte sie schon etliche Stunden Flug hinter sich. Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen und größter Geheimhaltung war Angela Merkel am Freitagabend von Berlin nach Zentralasien abgeflogen, nur gut 24 Stunden nach der Rückkehr von einer Indienreise.

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Der Jetlag hatte wahrscheinlich noch gar nicht richtig eingesetzt, als der Luftwaffen-Airbus am frühen Morgen auf der Luftwaffenbasis im usbekischen Termes aufsetzte und die Regierungschefin in die zweimotorige Transall-Frachtmaschine umstieg, die sie einigermaßen geschützt vor feindlichen Raketen über die Berge nach Kabul brachte. Dort benutzte sie fast ausschließlich Militärhubschrauber.

Zwar gab es am späten Freitagabend eine Meldung der «Bild»-Zeitung, dass der Airbus in Tegel für einen Langstreckenflug betankt und damit für einen für Samstagmorgen geplanten Abflug in Richtung Zentralasien vorbereitet werde. Dennoch blieb der Besuch so geheim, dass das Bundespresseamt und das Auswärtige Amt in Berlin noch nicht einmal davon wussten, als die Kanzlerin schon in Kabul gelandet war.

Vor Ort bekam sie dann neben der massiven Präsenz von Soldaten und Sicherheitspersonal eine der wesentlichen hochsymbolischen Verbesserungen im täglichen Leben Kabuls mit: Sie sah Mädchen, die aus der Schule kamen. Und der Besuch einer Schule zusammen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai stand auf ihrem Programm. Unter der Herrschaft der Taliban durften Mädchen nicht in die Schule gehen.

Engagement fortsetzen

«Diese Mädchen werden in einem ganz anderen Geist und auch mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein in ihre Zukunft hinein wachsen und langsam auch dann Verantwortung übernehmen», gab sich Merkel zuversichtlich. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass die bisherige Linie des deutschen Engagements fortgesetzt werde: Schwerpunkt im Norden des Landes, Hilfe für die internationalen Truppen im Süden nur, wenn «die Truppen im Süden dringende Hilfe benötigen» - Betonung auf «dringend», wie es das Mandat auch vorsieht.

Merkel sprach auch mit Soldaten, Entwicklungshelfern und Polizisten in Masar-i-Scharif. Wenn ihre Gesprächspartner offen zu ihr waren, dürften da nicht nur Freundlichkeiten ausgetauscht worden sein. Schon bei dem Treffen mit Karsai hatte sie versprochen, die Bundesrepublik wolle bei der Polizeiausbildung mehr tun - sogar mit mehr Geld. Dafür werde sich sicher im Bundeshaushalt 2008, den der Bundestag in Kürze verabschieden wird, noch ein Spielraum finden, erklärte sie.

Probleme mit dem Nachschub

Damit antwortete sie auf einen Ruf, der immer wieder aus der afghanischen Regierung und auch von den deutschen Experten vor Ort laut wird. Unvorstellbar ist die alltägliche Kriminalität, auch Schwerstkriminalität in dem zentralasiatischen Land, dessen Handelsbilanz sehr viel mit Drogen und Korruption zu tun hat. Aus der Sicht der Betroffenen wurde es daher höchste Zeit, dass Merkel mit dem Besuch und der Zusage ein Zeichen setzt, an dem die Koalition sich wird messen lassen müssen. Der Bundesregierung wurde seit Monaten «schmähliches Versagen» in Sachen Polizeiausbildung vorgeworfen, wie es der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, wertete. Im Durchschnitt seien nur 40 deutsche Polizeibeamte im Einsatz gewesen, ein «unverschämt kleiner» Beitrag im Vergleich zu den über 3000 deutschen Soldaten.

Und auch mit der Bundeswehr selbst liegt offenbar einiges im Argen. Zeitlich passend zur Merkel-Reise bestätigten die Streitkräfte eine «Spiegel»-Meldung, dass der Nachschub an Ersatzteilen und Munition häufig viel zu lang auf sich warten lasse. Da hilft es schon, wenn die Chefin nach zweijähriger Abstinenz mal vorbeischaut. Und wenn es ganz geheim ist. (Thomas Rietig, AP)

 
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