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Foltervorwürfe gegen griechische Küstenwache

29. Okt 2007 16:21
Jährlich versuchen tausende Bootsflüchtlinge über Griechenland in die EU zu gelangen
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Menschenrechtler haben der griechischen Küstenwache eine schwere Misshandlung von Asylsuchenden vorgeworfen. Ein Flüchtling berichtete sogar von einer Scheinhinrichtung.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl wirft der griechischen Küstenwache vor, Bootsflüchtlinge systematisch zu misshandeln. Zwei Untersuchungsmissionen hätten schockierende Erkenntnisse zu Tage gebracht, teilte der zuständige Direktor von Pro Asyl, Karl Kopp, am Montag in Brüssel mit. Manche Flüchtlinge seien auf unbewohnten Inseln ausgesetzt oder auf offener See ihrem Schicksal überlassen worden. Einer von ihnen habe sogar von einer Scheinhinrichtung berichtet.

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Pro Asyl und eine Gruppe griechischer Anwälte hatten im Juli und August sowie im Oktober über 100 Betroffene interviewt. Die Polizei interniert laut Pro Asyl auch Minderjährige unter inakzeptablen Bedingungen in Abschiebelagern. Niemand kläre die Betroffenen über ihre Rechte auf, kritisierte Kopp. Auch hätten sie keine Anwälte. Damit verstoße die Küstenwache gegen internationales Recht, etwa gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

Der Flüchtling, der von der Scheinhinrichtung berichtet hatte, war laut Pro Asyl auf der Insel Chios gefoltert worden. Der Mann habe erzählt, mit einem Stock brutal geschlagen worden zu sein. Polizisten hätten mehrfach seinen Kopf in einen Eimer Wasser getaucht und ihm eine Plastiktüte über den Kopf gezogen, bis er zu ersticken drohte.

Pro Asyl und der griechische Zweig von Amnestiy International (AI) forderten die EU zum Einschreiten auf. Die übrigen EU-Staaten könnten nicht hinnehmen, «dass das EU-Mitglied Griechenland Regeln des Völkerrechts und die Menschenrechte massiv verletzt».

Die Zahl der Flüchtlinge, die über Griechenland in die EU einzureisen versuchen, ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. In diesem Jahr wurden bereits 18.000 Flüchtlinge - vor allem aus Pakistan, dem Irak und Bangladesh - an den Land- und Seegrenzen aufgegriffen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Die griechische Küstenwache nehme den Tod von Flüchtlingen in Kauf, klagt Pro Asyl.

«Während sich die Kernländer der EU, insbesondere Deutschland, auf bequeme Art ihrer Verantwortung für eine humane Flüchtlingspolitik entziehen, wehren die EU-Mitglieder an den Außengrenzen vermehrt Flüchtlinge brutal ab», so der Vorwurf von AI. (dpa/AP/nz)

 
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