18.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Nationalisten hetzen gegen den toten Journalisten Hrant Dink
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Internet kursiert ein Musikvideo, das den Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Dink preist. Die türkische Justiz ermittelt nun gegen den Sänger.
Wegen eines im Internet verbreiteten hetzerischen Musikvideos geht die Justiz in der Türkei gegen den nationalistischen Sänger Ismail Türüt vor. Auch der Autor des Textes, der zur nationalistischen MHP gehörende Ozan Arif, werde vorgeladen, berichteten türkische Zeitungen am Dienstag.
In dem Video wird der Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink verherrlicht. Dieser war am 19. Januar vor seiner Redaktion in Istanbul auf offener Straße erschossen worden. Er war bei türkischen Nationalisten verhasst, weil er öffentlich von einem Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg gesprochen hatte.
Das Lied von Türüt war auf der Internet-Videoplattform Youtube zu sehen. Es schwelgt in ultranationalistischen Motiven. Die Leiche Dinks wird zu der Textzeile gezeigt: «Wer die Nation verkauft, der wird sofort sein Ende finden.»
Mehrere Versionen bei YoutubeEine erste Version des Videos wurde gesperrt, wenig später luden Youtube-Nutzer das Lied jedoh in neuen Versionen auf das Portal.
Texter Arif bekannte sich zu seinem Text. «Ich stehe zu jedem Wort und jeder Zeile dieses Liedes», sagte er türkischen Medienberichten zufolge.
Sänger Türüt sagte, er habe mit dem auf Youtube veröffentlichten Video nichts zu tun. Es handele sich um eine Manipulation. Arif und Türüt waren bereits wegen früherer Lieder in das Blickfeld von Ermittlern gekommen. Medien hatten ihnen Volksverhetzung vorgeworfen. (dpa)