Rüge im letzten Abu-Ghraib-Prozess
Mit dem Urteil ist dreieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Folter- und Misshandlungsskandals die juristische Aufarbeitung abgeschlossen. Kein Offizier wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Für den Skandal wurden strafrechtlich elf Armeeangehörige mit niedrigeren Diensträngen verantwortlich gemacht.
In dem einzigen Prozess gegen einen Offizier hatte eine Militärjury den Angeklagten bereits am Dienstag teilweise freigesprochen. Die aus neun hochrangigen Offizieren und einem Brigadegeneral bestehende Jury sah es als nicht erwiesen an, dass Jordan Grausamkeiten und Misshandlungen zugelassen sowie Pflichten verletzt habe. Die Jury befand ihn lediglich des Ungehorsams für schuldig. Damit hätten dem Angeklagten maximal bis zu fünf Jahre Haft
gedroht.
Die Verteidigung sprach nach der Urteilsverkündung von einem «Sieg». Mit dem Strafmaß sei Jordans langer und treuer Dienst von 28 Jahren in der US-Armee gewürdigt worden, sagte Anwalt Kris Poppe.
Der US-Fernsehsender CBS und das Magazin «New Yorker» hatten den Skandal Ende April 2004 aufgedeckt. Die von US-Militärangehörigen aufgenommenen Fotos in Abu Ghoreib lösten weltweit eine Welle der Empörung aus.
Die Aufnahmen wurden am Jahresende 2003 gemacht. Sie zeigen Häftlinge, die unter anderem nackt mit einer Hundeleine um den Hals und in anderen erniedrigenden Posen aufgenommen wurden.
Der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bot nach eigenen Worten nach Bekanntwerden des Skandals seinen Rücktritt an. US-Präsident George W. Bush versprach eine lückenlose Aufklärung.
Vor Jordan hatten sich elf Soldaten einem Militärverfahren stellen müssen. In diesen Verfahren hatte der als Rädelsführer bei den Misshandlungen geltende Charles Graner mit zehn Jahren Haft die höchste Strafe von allen Angeklagten erhalten. Lynndie England, das bekannteste Gesicht in dem Skandal, wurde zu drei Jahren verurteilt. (dpa)
