netzeitung.deGefälschte Nachrichten im chinesischen Staats-TV

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Chinesische Flagge (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Chinesische Flagge
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dass in China Produkte gefälscht und Arzneien oder Lebensmitteln manipuliert werden, ist bekannt. Neu ist, dass die Volksrepublik auch vor der Verbreitung erfundener Nachrichten nicht zurückschreckt.

Das Manipulieren «Made in China» ist um eine Kategorie reicher: gefälschte Nachrichten. Die Polizei in Peking nahm einen Fernsehreporter fest, der über Pappe in der Fleischfüllung von beliebten Teigbrötchen (Baozi) berichtet hatte, die an jeder Straßenecke verkauft werden. Der Bericht hatte landesweit Empörung über Profitgier und Rücksichtslosigkeit in Chinas «sozialistischer Marktwirtschaft» ausgelöst. Die Sensation entpuppte sich aber als Fälschung des Reporters, der damit groß herauskommen wollte. Die Pekinger Fernsehstation und das Staatsfernsehen CCTV, das die Enthüllungsgeschichte landesweit verbreitet hatten, mussten sich am Mittwochabend peinlichst bei den Zuschauern entschuldigen.

Dass Fälschern nicht einmal mehr die Baozi heilig sind, die für Millionen zum «täglichen Brot» gehören, hatten die Chinesen nur allzu bereitwillig geglaubt. Für chinesische und ausländische Medien war es die Spitze des Skandals über falsche Medizin, gefährliche Chemikalien in Lebensmitteln und Zahnpasta oder Schadstoffen in Meeresfrüchten oder Tierfutter, das in den USA für den Tod von Hunden und Katzen verantwortlich sein soll. Gerade hatte der Minister für die Qualitätsaufsicht, Li Changjiang, ausländische Medien beschuldigt, «grob fahrlässig über angeblich unsichere chinesische Produkte» zu berichteten, da entpuppte sich ausgerechnet die Baozi-Story im eigenen Staatsfernsehen als Betrug.

Der Reporter hatte Pappe, Mehl und Fleisch gekauft und einen Frühstückstand beauftragt, daraus die gefüllten Teigbrötchen zu machen. Mit einer kleinen Videokamera filmte er die Zubereitung und schnitt später alles zu seiner Enthüllungsgeschichte zusammen. Chinas staatlich kontrollierte Medien, die zunehmend im Wettbewerb bestehen müssen, sind schon lange nicht immun gegen journalistisch unethische Tricks. Viele Zeitungen schreiben wahllos voneinander ab, übertreiben ihre Geschichten, um Leser zu gewinnen. Die Zensur wird selbst geübt, greift meist aber nur bei politischen Geschichten.

Dass China nach Jahrzehnten halsbrecherischen Wachstums immer mehr Probleme mit der Qualität seiner Verbrauchsgüter hat, ist kein Geheimnis. Metzger oder Fleischhändler spritzen Wasser ins Schweine- oder Rindfleisch, damit es schwerer wird und mehr Geld einbringt. Schwarze Schafe gibt es auch unter Bauern, die übermäßig Dünger über ihr Gemüse schütten. Selbst teures «Biogemüse» oder «organisch» angebautes Obst, das sich aus Angst vor Schadstoffen wachsender Beliebtheit erfreut, ist nicht immer so gesund, wie Händler glauben machen wollen. Autoteile werden in Reparaturwerkstätten manchmal in drei Versionen angeboten: Komplett gefälscht, von der Originalfabrik nebenher nachgemacht oder in der guten Qualität, die der Hersteller eigentlich verlangt. Die Preisunterschiede sind beträchtlich.

Schon lange dulden Chinas Behörden trotz internationaler Kritik die Raubkopien von luxuriösen Uhren, Textilien, Taschen, Schuhen oder von Computersoftware und DVDs mit Hollywood-Filmen, die Chinas Märkte überschwemmen. Deutsche Anlagenbauer beklagen, dass chinesische Unternehmen ihre Maschinen einfach nachbauen und in schlechterer Qualität billig auf den Markt bringen. Wie gefährlich Fälschungen oder mangelnde Kontrolle werden können, zeigt der Skandal um den Direktor der staatlichen Nahrungsmittel- und Arzneiaufsicht, Zheng Xiaoyu. Er hatte gegen Bestechungsgelder von Pharmazieunternehmen Medikamente zugelassen, deren Wirkung und Gesundheitsgefährdung nicht ausreichend getestet worden war. Mehrere Menschen starben nach der Einnahme. Um die große Verunsicherung der chinesischen Verbraucher zu dämpfen und ein Exempel zu statuieren, wurde der 63-Jährige vor einer Woche wegen Korruption hingerichtet. (Von Andreas Landwehr, dpa)