21.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Pakistaner protestieren gegen Rushdie
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Aus Wut über den Ritterschlag für Autor Rushdie wollen radikale pakistanische Geistliche Al-Qaeda-Chef bin Laden den Titel «Schwert Gottes» verleihen. Ein Politiker des Landes will «Gotteslästerer töten».
Im Streit um den Ritterschlag für den Autor Salman Rushdie hat der Präsident eines pakistanischen Provinzparlaments zum Mord aufgerufen. «Jeder Gotteslästerer muss mit dem Leben haften», sagte Parlamentspräsident der zentralen Punjab-Provinz, Afzal Sahi, am Donnerstag. «Ich werde einen Gotteslästerer töten, wenn ich auf ihn stoße.»
Es sei «Teil unserer Religion» jemanden töten zu dürfen, der den Propheten Mohammed beleidigt habe. Sahi ist mit der in Pakistan regierenden Muslim-Liga assoziiert.
Seine Äußerungen machte Sahi in einer Debatte über die Forderung der früheren Premierministerin Benazir Bhutto nach Rücktritt des Religionsministers Ijaz-ul-Haq wegen dessen Erklärungen zu Rushdie. Der Minister hatte gesagt, die Ehrung für Rushdie könne könne muslimische Selbstmordattentäter provozieren.
Ehrung für bin LadenAus Wut über den Ritterschlag für Rushdie wollen radikale pakistanische Geistliche den Chef des Terrornetzwerks Al Qaeda, Osama bin Laden, den Titel «Saifullah» (Schwert Gottes) verleihen. «Wenn die Briten Rushdie zum Ritter machen können, dann haben auch wir das Recht, unsere Führer und Helden auszuzeichnen», sagte der Vorsitzende des pakistanischen Ulema-Rats, Allama Tahir Ashrafi, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP.
Der flüchtige Al-Qaeda-Chef werde die Ehrung «zu gegebener Zeit» erhalten. Der Gruppe gehören nach Angaben Ashrafis etwa 3000 islamische Geistliche an. Im pakistanischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten ist sie jedoch nicht bekannt. Gegen den Ritterschlag für den Autor der «Satanischen Verse» sind in Pakistan zahlreiche Menschen auf die Straße geganen. Auch Puppen des indisch-britischen Schriftstellers wurden verbrannt. Religionsminister Mohammed Ijaz ul-Haq erklärte, die Auszeichnung sei eine Rechtfertigung für Selbstmordanschläge.
Indonesien und Ägypten schließen sich anMit Indonesien und Ägypten protestierten auch die bevölkerungsreichsten Länder der islamischen und der arabischen Welt gegen die Verleihung der Ritterwürde an Rushdie. Zuvor hatten neben Pakistan bereits Iran und der Irak die Entscheidung der Londoner Regierung kritisiert.
Der indonesische Außenminister Hassan Wirajuda sagte: «Der Zeitpunkt ist falsch, um eine gute Atmosphäre für gegenseitiges Verständnis zwischen den Zivilisationen, Kulturen und Religionen zu schaffen». «Man muss nicht Leute ehren, die das heilige Buch des Islams beleidigt haben», sagte Arief Awaluddin von der Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei. In einer Erklärung des ägyptischen Parlaments heißt es: «Dies ist eine weitere der Beleidigungen des Islams, wie sie zum Terrorismus geführt haben.» Der Ritterschlag solle «neu überdacht werden, um die Welle anti-britischer Gefühle in der islamischen Welt zurückzuschlagen».
Schriftsteller solidarischIn Berlin erklärten die Autoren Michael Kleeberg und Navid Kermani: «Wenn Salman Rushdie gedroht wird, wird jedem Schriftsteller gedroht». Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören auch Moritz Rinke, Ingo Schulze, Gerd Haffmans, Tilman Spengler und Ulrike Draesner. (dpa)