Noel Martin will Gift mit Strohhalm trinken
Zwei 17 und 24 Jahre alten Neonazis hatten den als Bauarbeiter beschäftigten Briten in Mahlow am 16. Juni 1996 in seinem Auto verfolgt und einen Feldstein durch das Fenster in den Pkw Martins geworfen. Er fuhr daraufhin gegen einen Baum und brach sich die Halswirbelsäule. Der 47-Jährige ist seitdem vom Hals an abwärts gelähmt und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen.
Ohne Bedauern werde er auch sein Haus im Birminghamer Stadtteil Edgbaston zurücklassen: «Ich bin der erste Schwarze, der in diesem Viertel wohnt und habe den Weißen gezeigt, dass wir Schwarze so gut sind wie sie.» Es ärgere ihn allerdings, dass er zum Sterben in die Schweiz müsse. «Jede Tier, das in England leidet, wird eingeschläfert, aber ich soll qualvoll dahinleben.»
Eines möchte Martin vor seinem Freitod noch erleben: Dass sein Pferd «Baddam» am 21. Juni in Ascot siegt. Der Brite gewann 2006 laut «Stern» als erster schwarzer Pferdebesitzer eines der bedeutendsten Rennen der Welt. Höhnische Kommentare von rechtsradikalen Internetforen, die seinen angekündigten Freitod begleiten, berührten ihn nicht mehr, sagte der Brite weiter. Neonazis hätten sein Leben zerstört, aber «sie haben mich nicht besiegt». (AP)

