netzeitung.deDrei deutsche Soldaten in Afghanistan getötet

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Außenstelle der deutschen Botschaft im Feldlager Kundus (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Außenstelle der deutschen Botschaft im Feldlager Kundus
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Ein Selbstmordattentäter hat im Norden Afghanistans auch drei deutsche Soldaten mit den in den Tod gerissen. Verteidigungsminister Jung und Außenminister Steinmeier zeigten sich bestürzt über die «feigen Anschläge».

Beim schwersten Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan seit knapp vier Jahren sind am Samstag drei deutsche Soldaten getötet worden. Zwei ihrer Kameraden und ein Übersetzer wurden bei dem Selbstmordanschlag auf eine Fußpatrouille in der nordafghanischen Stadt Kundus verletzt. Die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf bestätigte den Vorfall. Unklar war zunächst, ob es sich um ein Attentat oder zwei Anschläge handelte.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) äußerte sich bestürzt über den Tod der deutschen Soldaten in Kundus. «Mit großer Bestürzung und Betroffenheit habe ich von den feigen Anschlägen auf unsere deutschen Soldaten und die afghanische Zivilbevölkerung in Kundus erfahren», ließ Jung in Berlin mitteilen. «In dieser Stunde gilt unser besonderes Mitgefühl den Angehörigen.» Er brach am Vormittag eine Privatreise ab und flog nach Berlin zurück.

Das Verteidigungsministerium machte keine genauen Angaben zur Zahl der Toten. Mehrere Soldaten seien gestorben, weitere schwer verletzt, hieß es. Offenbar sind Verletzte so schwer getroffen, dass sich die Zahl der Toten erhöhen könnte. Nach afghanischen Regierungsangaben starben außerdem sechs afghanische Zivilisten, 14 wurden verletzt. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, machte «El Kaida und ihre afghanischen Diener», die Taliban, für die Tat verantwortlich.

Soldaten wollten einkaufen
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte entsetzt auf den Anschlag und warb zugleich für die weitere Unterstützung Deutschlands in dem Land. «Mit ihrer grausamen Tat zielen die Attentäter auf die Zerstörung der seit 2001 von afghanischer Hand mühsam errungenen Ordnung des Landes. Ohne diese Grundlage würde Afghanistan erneut in Bürgerkrieg und Gewalt versinken», sagte Steinmeier in Berlin. Der Auftrag der Bundeswehr im Norden des Landes sei ein zentraler Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans.

Laut AP ereignete sich der Anschlag auf einem belebten Markt in Kundus. Zwei Fahrzeuge der Bundeswehr seien bei einer Patrouillenfahrt auf den Markt gefahren, wurde der Polizeichef der Provinz, General Ajub Salangi, zitiert. Als die Soldaten dann mit ihrem Übersetzer ausgestiegen seien, um etwas einzukaufen, habe der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet.

Nach dem Anschlag warten nach Angaben des Provinzgouverneurs weitere Selbstmordattentäter in der Provinz Kundus auf ihren Einsatz. Gouverneur Omar sagte der dpa, er habe vor wenigen Tagen Informationen erhalten, wonach vier Selbstmordattentäter in die Provinz eingedrungen seien. Nach dem Anschlag vom Samstag seien dort demnach weitere drei oder zwei Attentäter bereit zuzuschlagen.

Rache für Tod Dadullahs?
Womöglich hängt der Anschlag mit dem Tod des Militärchefs der Taliban, Mullah Dadullah, zusammen: US-Truppen hatten ihn in der vergangenen Woche getötet, die Taliban hatten Rache geschworen. Nordafghanistan, wo die Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt hat, galt bislang als relativ sicher.

Der Anschlag ist der schwerste auf die Bundeswehr in Afghanistan seit Juni 2003, als ein Selbstmordattentäter in der Hauptstadt Kabul ein mit Sprengstoff beladenes Taxi in einen Bus mit deutschen Soldaten steuerte. Damals starben vier Bundeswehr-Soldaten, 29 wurden verletzt.

Vor dem jüngsten Anschlag in Kundus hatte der Afghanistan-Einsatz bereits 18 deutsche Soldaten das Leben gekostet. Zehn davon kamen gewaltsam ums Leben, acht bei Unfällen. Der letzte deutsche Soldat starb im November 2005 bei einem Anschlag in Kabul. Die Bundeswehr hat derzeit etwas mehr als 3150 Soldaten im Rahmen der ISAF eingesetzt. Damit ist sie der drittgrößte Truppensteller der Nato-geführten Schutztruppe nach den USA und Großbritannien. (nz/dpa/AP)