Vatikan beschimpft Komiker als Terrorist
Italiens Regierungschef Romano Prodi, dessen Koalition von linksgerichteten Politikern bis Christdemokraten reicht, fordert angesichts der Eskalation zu «Gelassenheit und gesundem Menschenverstand» auf. Auch Vatikansprecher Federico Lombardi bemüht sich um Mäßigung, indem er den Auftritt des Komikers als «Dummheit, die nicht zur Tragödie werden sollte» abwertet.
Die Forza Italia um Oppositionschef Silvio Berlusconi reagierte dagegen empört auf Riveras Kritik. Es sei eine Schande, dass ein Moderator die Kulisse des vom Staatsfernsehen übertragenen Konzerts mit Millionen Zuschauern ausnutze, um den Vatikan derart zu attackieren.
Während die Mitte-Rechts-Opposition sich zum Hüter der katholischen Tradition und Verteidiger der Kirche aufschwingt, distanzieren sich Gewerkschaften, der staatliche Fernsehsender RAI, der das Konzert übertrug, und Regierungspolitiker von dem Komiker. Rivera selbst verteidigt sich indes als «Katholik, der Anti-Mafia-Priester und den heiligen Franziskus schätzt» und der der nicht die Absicht hatte, Papst und Kirche zu beleidigen.
Dabei hatte Italiens katholische Kirche in den vergangenen Wochen eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz Angelo Bagnasco rückte Homosexualität in einem Kommentar zum geplanten Gesetz für eingetragene Lebenspartnerschaften in die Nähe von Pädophilie und Inzucht. Seitdem schmieren Unbekannte nachts Drohungen gegen den Erzbischof von Genua an Häuserwände nicht nur seiner Stadt.
Vor wenigen Tagen erhielt der Mann, von dem sich viele einen weniger harten Kurs gegen die Mitte-Links-Regierung erhofft hatten, gar per Post eine Pistolenkugel. Damit war für Staatspräsident Giorgio Napolitano die Schmerzgrenze erreicht. Er verurteilte die Drohungen als «unannehmbar». Papst Benedikt XVI. schaltete sich persönlich ein und rief den mittlerweile als Hardliner verschrienen Bagnasco auf, an der Verteidigung katholischer Werte festzuhalten.
Der nächste Schritt in der Konfrontation zwischen Kirche und Regierung steht mit einer geplanten Großdemonstration für die Familie und gegen das geplante Partnerschaftsgesetz schon fest. Die Bischöfe unterstützen offen den für den 12. Mai geplanten «Family Day». Regierungspolitiker planen eine Gegenveranstaltung. Mit dem jüngsten Angriff des «Osservatore Romano» trägt der Vatikan nach Einschätzung von Beobachtern möglicherweise ungewollt zur Verschärfung der Krise bei. Nach der Solidaritätsbekundung des Papstes für Bagnasco ist nicht abzusehen, wann und wie der Konflikt entschärft wird. (Von Bettina Gabbe, epd/nz)

