netzeitung.deVatikan beschimpft Komiker als Terrorist

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Papst Benedikt XVI. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Papst Benedikt XVI.
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Pfiffe für den Papst und anti-katholische Slogans bei einer Veranstaltung am 1. Mai in Rom erzürnen den Vatikan. Damit spitzt sich der Streit um die politische Rolle der Kirche in Italien zu.

Der seit Wochen schwelende Streit um politische Einflussnahme der katholischen Kirche in Italien hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» bezeichnete die Äußerungen eines TV-Komikers beim Megakonzert zum 1. Mai in Rom am Donnerstag schlicht als «Terrorismus». Der ansonsten wenig bekannte Andrea Rivera hatte vor 400.000 Besuchern und dem Fernsehpublikum der Live-Übertragung beim Gewerkschaftsevent dem Papst vorgeworfen, nicht an die Evolutionstheorie zu glauben, und der katholischen Kirche, sich nicht entwickelt zu haben.

In einem Kommentar sprach die vatikanische Tageszeitung «L'Osservatore Romano» von «schändlichen Angriffen» auf den Papst. «Auch das ist Terrorismus. Terrorismus bedeutet, Attacken gegen die Kirche zu richten. Auch wir sind Ziel terroristischer Angriffe, wenn man blinde, irrationale Kampagnen gegen jene führt, die von Liebe zum Leben und zu den Menschen sprechen», schrieb das Blatt.

Italiens Regierungschef Romano Prodi, dessen Koalition von linksgerichteten Politikern bis Christdemokraten reicht, fordert angesichts der Eskalation zu «Gelassenheit und gesundem Menschenverstand» auf. Auch Vatikansprecher Federico Lombardi bemüht sich um Mäßigung, indem er den Auftritt des Komikers als «Dummheit, die nicht zur Tragödie werden sollte» abwertet.

Die Forza Italia um Oppositionschef Silvio Berlusconi reagierte dagegen empört auf Riveras Kritik. Es sei eine Schande, dass ein Moderator die Kulisse des vom Staatsfernsehen übertragenen Konzerts mit Millionen Zuschauern ausnutze, um den Vatikan derart zu attackieren.

Während die Mitte-Rechts-Opposition sich zum Hüter der katholischen Tradition und Verteidiger der Kirche aufschwingt, distanzieren sich Gewerkschaften, der staatliche Fernsehsender RAI, der das Konzert übertrug, und Regierungspolitiker von dem Komiker. Rivera selbst verteidigt sich indes als «Katholik, der Anti-Mafia-Priester und den heiligen Franziskus schätzt» und der der nicht die Absicht hatte, Papst und Kirche zu beleidigen.

Dabei hatte Italiens katholische Kirche in den vergangenen Wochen eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz Angelo Bagnasco rückte Homosexualität in einem Kommentar zum geplanten Gesetz für eingetragene Lebenspartnerschaften in die Nähe von Pädophilie und Inzucht. Seitdem schmieren Unbekannte nachts Drohungen gegen den Erzbischof von Genua an Häuserwände nicht nur seiner Stadt.

Vor wenigen Tagen erhielt der Mann, von dem sich viele einen weniger harten Kurs gegen die Mitte-Links-Regierung erhofft hatten, gar per Post eine Pistolenkugel. Damit war für Staatspräsident Giorgio Napolitano die Schmerzgrenze erreicht. Er verurteilte die Drohungen als «unannehmbar». Papst Benedikt XVI. schaltete sich persönlich ein und rief den mittlerweile als Hardliner verschrienen Bagnasco auf, an der Verteidigung katholischer Werte festzuhalten.

Der nächste Schritt in der Konfrontation zwischen Kirche und Regierung steht mit einer geplanten Großdemonstration für die Familie und gegen das geplante Partnerschaftsgesetz schon fest. Die Bischöfe unterstützen offen den für den 12. Mai geplanten «Family Day». Regierungspolitiker planen eine Gegenveranstaltung. Mit dem jüngsten Angriff des «Osservatore Romano» trägt der Vatikan nach Einschätzung von Beobachtern möglicherweise ungewollt zur Verschärfung der Krise bei. Nach der Solidaritätsbekundung des Papstes für Bagnasco ist nicht abzusehen, wann und wie der Konflikt entschärft wird. (Von Bettina Gabbe, epd/nz)