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Royal: «Die Zeit der Frauen ist gekommen»

22. Apr 2007 20:38
Ségolène Royal beim Verlassen der Wahlkabine
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Ihr Konkurrent Sarkozy hat laut Hochrechnungen zwar die Nase vorn. Die Sozialistin Royal hat in der ersten Wahlrunde aber besser abgeschnitten als erwartet - und ist weiter siegesgewiss.

Ségolène Royal hat als erste Frau ernsthafte Chancen, französische Präsidentin zu werden. Trotz Wahlkampfpannen, Querschüssen aus den eigenen Reihen und der Schwierigkeit, der Kampagne ihren Stempel aufzudrücken, erzielte sie in der ersten Wahlrunde mit gut 25 Prozent ein besseres Ergebnis, als ihr viele zugetraut hatten.

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Eine «Anti-Sarkozy»-Stimmung könnte der zwischenzeitlich schon abgeschriebenen Sozialistin neuen Auftrieb vor der Stichwahl gegen den ehemaligen Innenminister am 6. Mai geben. Die 53 Jahre alte Royal bemühte sich nach Kräften, die politische Kultur Frankreichs zu verändern: Unter dem Schlagwort «teilhabende Demokratie» ließ sie tausende Regionalkonferenzen ausrichten, in denen sie Anregungen und Beschwerden sammelte.

Die Ex-Familienministerin präsentiert sich als fürsorgliche Mutter, die auf die Sorgen ihrer Landsleute hört und nach pragmatischen Lösungen sucht. Gerade in der «Phase des Zuhörens» Anfang des Jahres begann jedoch ihr Sinkflug - und der sensationelle Aufstieg von Zentrumskandidat François Bayrou.

Erst mit dem Vorstoß, jeder Franzose müsse zu Hause eine Nationalflagge haben, konnte Royal den Abwärtstrend brechen. Ihre Versuche, das Soziale in den Vordergrund zu rücken, fanden kaum ein Echo. Im Gegensatz zur Sarkozy, der Frankreich durch liberale Reformen aus der Erstarrung wecken will, verspricht Royal vor allem die Bewahrung des «französischen Modells».

Sozialistisches Lager gespalten

Anders als Sarkozy, der mit der Partei UMP eine geölte Wahlkampfmaschine hinter sich weiß, hat Royal Schwierigkeiten, das eigene Lager zusammenzuhalten. Die einflussreichen «Parteielefanten» Dominique Strauss-Kahn und Laurent Fabius, gegen die sich Royal in der erbitterten internen Ausscheidung durchsetzte, blieben im Wahlkampf nahezu unsichtbar. Die Vorstöße von Fabius, Royal weiter nach links zu ziehen, und das Insistieren von Ex-Premier Michel Rocard zu einem Wahlbündnis mit Bayrou waren Störfeuer.

Royal wuchs mit sieben Geschwistern in einer Offiziersfamilie in Lothringen auf. Nach einer unglücklichen Kindheit unter der Tyrannei des Vaters besuchte sie das Internat einer Klosterschule. Die Jugend hinterließ Spuren: Hinter dem strahlenden Dauerlächeln Royals verbirgt sich eine autoritäre Persönlichkeit.

Und das Lächeln wirkt aufgesetzt. Im Gegensatz zu den gewitzten Rednern Sarkozy und Bayrou sind ihre Auftritte meist spröde, ihre oft belehrende Sprache lockt wenige Begeisterungsstürme hervor. Die Lebensgefährtin von PS-Chef François Hollande, mit dem sie vier Kinder hat, gehörte drei Regierungen an.

Politische Faux-pas

Als Familienministerin von 2000 bis 2002 führte sie den Vaterschaftsurlaub und Programme gegen Gewalt in Familien und Schule ein. Im Frühjahr 2004 eroberte sie die Konservativen-Hochburg Poitou-Charentes und regierte die Region fortan mit eiserner Hand.

Die Bilanz aus Poitou-Charentes reicht aber nicht aus, um ihre Kompetenz für das höchste Staatsamt unter Beweis zu stellen. Mehrere Fehltritte in außen- und sicherheitspolitischen Fragen, etwa ihr Lob für die «zügige» chinesische Justiz, erweckten den Eindruck, der Élysée-Palast sei eine Nummer zu groß. Um sich von ihren männlichen Widersachern abzugrenzen, setzt sie gezielt auf ihre Weiblichkeit.

«Die Zeit der Frauen ist gekommen, um das Haus Frankreich wieder in Ordnung zu bringen», sagt sie. Sollte sie am 6. Mai das höchste Staatsamt erobern, würde sich das Gesicht des Landes verändern. (Tobias Schmidt, AP)

 
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