Royal: «Die Zeit der Frauen ist gekommen»
22.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Ex-Familienministerin präsentiert sich als fürsorgliche Mutter, die auf die Sorgen ihrer Landsleute hört und nach pragmatischen Lösungen sucht. Gerade in der «Phase des Zuhörens» Anfang des Jahres begann jedoch ihr Sinkflug - und der sensationelle Aufstieg von Zentrumskandidat François Bayrou.
Erst mit dem Vorstoß, jeder Franzose müsse zu Hause eine Nationalflagge haben, konnte Royal den Abwärtstrend brechen. Ihre Versuche, das Soziale in den Vordergrund zu rücken, fanden kaum ein Echo. Im Gegensatz zur Sarkozy, der Frankreich durch liberale Reformen aus der Erstarrung wecken will, verspricht Royal vor allem die Bewahrung des «französischen Modells».
Royal wuchs mit sieben Geschwistern in einer Offiziersfamilie in Lothringen auf. Nach einer unglücklichen Kindheit unter der Tyrannei des Vaters besuchte sie das Internat einer Klosterschule. Die Jugend hinterließ Spuren: Hinter dem strahlenden Dauerlächeln Royals verbirgt sich eine autoritäre Persönlichkeit.
Und das Lächeln wirkt aufgesetzt. Im Gegensatz zu den gewitzten Rednern Sarkozy und Bayrou sind ihre Auftritte meist spröde, ihre oft belehrende Sprache lockt wenige Begeisterungsstürme hervor. Die Lebensgefährtin von PS-Chef François Hollande, mit dem sie vier Kinder hat, gehörte drei Regierungen an.
Die Bilanz aus Poitou-Charentes reicht aber nicht aus, um ihre Kompetenz für das höchste Staatsamt unter Beweis zu stellen. Mehrere Fehltritte in außen- und sicherheitspolitischen Fragen, etwa ihr Lob für die «zügige» chinesische Justiz, erweckten den Eindruck, der Élysée-Palast sei eine Nummer zu groß. Um sich von ihren männlichen Widersachern abzugrenzen, setzt sie gezielt auf ihre Weiblichkeit.
«Die Zeit der Frauen ist gekommen, um das Haus Frankreich wieder in Ordnung zu bringen», sagt sie. Sollte sie am 6. Mai das höchste Staatsamt erobern, würde sich das Gesicht des Landes verändern. (Tobias Schmidt, AP)

