13. Apr 2007 17:55
Zwischen Israel und dem Vatikan bahnt sich eine diplomatische Krise an. Grund sind unterschiedliche Positionen zur Rolle der katholischen Kirche in der NS-Zeit.
In Yad Vashem heißt es neben einem Porträt von Pius XII., er habe im Zweiten Weltkrieg nichts getan, um Rassismus und Antisemitismus zu verurteilen. «Sein Schweigen und das Fehlen von Leitlinien haben die Kirchenmänner in ganz Europa gezwungen, selbst zu entscheiden, wie sie sich verhalten sollen.» Der Vatikan-Botschafter kritisierte, in der Bildunterschrift werde die ganze katholische Kirche beleidigt. «Man kann den Papst nicht im gleichen Atemzug mit Menschen nennen, die sich für das schämen müssen, was sie den Juden angetan haben.» Das israelische Außenministerium reagierte in einer offiziellen Stellungnahme auf die Absage: Bei dem alljährlichen «Tag der Shoah» gehe es um das Gedenken der Opfer eines der «traumatischsten» Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes und der Menschheit. «Jeder sollte es vor seinem Gewissen verantworten, ob er an der Zeremonie teilnimmt», hieß es. Yad-Vashem-Mitarbeiter sagten, sie seien «schockiert und enttäuscht».
Eine offizielle Stellungnahme des Vatikans zu der Absage gab es zunächst nicht. Jedoch zitierte «La Repubblica» Vatikan-Kreise, wonach Papst Benedikt XVI. die Geste des Nuntius gebilligt habe: «Der Heilige Vater musste dies tun, um einen seiner Vorgänger vor unbegründeten und historisch nie bewiesenen Anklagen zu verteidigen.»
Die Rolle, die Pius XII. in der Nazi-Zeit gespielt hat, ist bis heute strittig und Thema eingehender Forschungen. Kritiker werfen ihm vor, sich zu passiv verhalten und zur Verfolgung der Juden geschwiegen zu haben. Der Vatikan betont hingegen, Pius - der vor seiner Papstwahl Eugenio Pacelli hieß - habe zahlreiche römische Juden während der Besatzung durch die Hitlertruppen in Kirchen verstecken lassen. (dpa)