netzeitung.deAufregung in Italien wegen Sterbehilfe für Welby

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Anhänger der Sterbehilfe gedenken Piergiorgio Welbys (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anhänger der Sterbehilfe gedenken Piergiorgio Welbys
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Staatspräsident Napolitano sagt: «Die Debatte ist eröffnet.» Nach dem Tod des schwerkranken Piergiorgio Welby streiten sich Befürworter und Gegner der Sterbehilfe.

Von Bettina Gabbe

Nach dem Tod des unheilbar kranken Verfechters für Sterbehilfe, Piergiorgio Welby, ist in Italien eine heftige Debatte über menschenwürdiges Sterben entbrannt. Gegner und Befürworter der Sterbehilfe beschimpfen sich im Internet gegenseitig – manche als Taliban oder auch einfach Mörder. So bezeichnete auch die Mitte-Rechts-Opposition im Parlament Arzt Mario Riccio.

Der Mediziner hatte das Beatmungsgerät von Welby auf dessen Wunsch hin abgestellt. Staatspräsident Giorgio Napolitano verband seine Beileidsbekundung an die Familie des Verstorbenen mit der Feststellung: «Die Debatte ist eröffnet.»

Der Vatikan reagierte mit einer klaren Verurteilung der Sterbehilfe für Welby. Doch auch im Katechismus der katholischen Kirche heißt es, dass der Abbruch von Therapien, die in keinem Verhältnis zu den erzielten Ergebnissen stehen, legitim sein kann. Nach Auffassung des Bischofs und Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben dürfen Patienten die Behandlung nur dann ablehnen, wenn diese für sie unerträglich sind.

prodis Regierung reagiert gespalten
Trotz des Widerstandes der mächtigen katholischen Kräfte ist mit dem zum Medienereignis gewordenen Fall das Tabu Sterbehilfe angegriffen worden. Ministerpräsident Romano Prodi, selbst bekennender Katholik, bemühte sich zwar, die persönliche Dimension von Welbys Tod hervorzuheben. Doch auch ihm ist klar, dass seine Regierung «sich diesem Fall als allgemeinem Thema widmen muss». Noch ist in Italien jede Form von Sterbehilfe verboten.

Prodis Mitte-Links-Regierung reagierte gespalten. Ihr Parteienspektrum reicht von den Radikalen, die Welbys politischen Kampf für Sterbehilfe aktiv unterstützten, bis zu katholischen Christdemokraten der «Margherita». Diese fordern den Rücktritt der radikalen Ministerin für Europafragen, Emma Bonino. Mit ihrer Anwesenheit auf der Pressekonferenz des Arztes, der Welby Sterbehilfe leistete, habe sie einen Gesetzesverstoß legitimiert.

Deutsche Hospiz Stiftung erfreut
Angesichts der in Gang gekommenen Debatte will die italienische Regierung bald einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem die Rechte der Patienten gestärkt werden sollen. Wie weit die Entscheidungsfreiheit unheilbar Kranker gehen wird, ist angesichts der weit auseinander gehenden Meinungen innerhalb der Koalition offen. Dem Mediziner Riccio drohen jetzt bis zu 15 Jahre Gefängnis.

In Deutschland begrüßte die Hospiz Stiftung die Entscheidung des italienischen Arztes, Welby sterben zu lassen. Das sei keine Euthanasie, sondern Sterbebegleitung, die der Patient ausdrücklich gewollt habe, sagte Geschäftsführer Eugen Brysch am Freitag in Berlin. Vom deutschen Recht wäre die Vorgehensweise des Arztes gedeckt gewesen.

«Es ist entsetzlich, wie lange dem Willen des Patienten nicht entsprochen wurde», so Brysch. Das Beenden der lebensverlängernden Maßnahmen sei nur konsequent gewesen. Brysch forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen, um sich für EU-weite Patientenrechte einzusetzen. Dabei müsse klar zwischen Sterbebegleitung, Hospizarbeit und Sterbenlassen einerseits und der verbotenen Euthanasie andererseits unterschieden werden. (epd)