netzeitung.deKonservative loben Pinochets «Verdienste»

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Pinochets Anhänger in Chile (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pinochets Anhänger in Chile
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Menschenrechts- Organisationen und Vertreter lateinamerikanischer Staaten haben erleichtert auf den Tod des chilenischen Ex- Militärmachthabers Pinochet reagiert. Der am Sonntag Gestorbene hatte aber auch Sympathisanten. Bilderschau: Bilder aus Chile

Menschen in Lateinamerika haben den Tod des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet überwiegend mit Erleichterung aufgenommen. Politiker und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen sprachen vom Ende eines «dunklen Kapitels». Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte, Pinochet habe «eine düstere Periode in der Geschichte Südamerikas» symbolisiert.

In jener Zeit habe es in der Region «eine lange Nacht» gegeben, in der «die Lichter der Demokratie durch autoritäre Staatsstreiche gelöscht wurden». Die kolumbianische Regierung betonte, mit Pinochets Tod sei eine Epoche zu Ende. Die Geschichte werde das Urteil über Pinochet fällen, sagte ein Sprecher in Bogotá. In Venezuela betonte Vizepräsident José Vicente Rangel, durch den Tod des Ex-Diktators werde seine Straflosigkeit besiegelt.

Pinochet war am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben. In Argentinien nahmen Menschenrechtler die Nachricht vom Tod Pinochets mit Genugtuung auf. «Für Chile, Lateinamerika und die ganze Welt ist es ein Tag der Erleichterung», sagte Estela de Carlotto, die Vorsitzende der Gruppe der «Großmütter von der Plaza de Mayo», in der Angehörige von Opfern der argentinischen Diktatur (1976-1983) vereint sind. Zugleich bedauerte Carlotto, dass Pinochet sich für seine Verbrechen nicht vor Gericht verantworten musste.

Schnellere Verfahren verlangt
Dies beklagte auch der französische Premierminister Dominique de Villepin. «Eine tragische Seite der chilenischen Geschichte wurde umgeschlagen», sagte Villepin am Montag im Rundfunk. «Man kann bedauern, dass es kein Urteil gab, das allen, die unter Pinochet das Martyrium erlitten haben, die Möglichkeit gibt, dieses Kapitel abzuschließen.»

Angesichts des Ablebens des Angeklagten Pinochet verlangte Amnesty International schnellere Gerichtsverfahren bei Verbrechen wegen Menschenrechtsverletzungen. Der Tod Pinochets dürfe nicht das «dunkelste Kapitel» in der chilenischen Geschichte abschließen, verlangte die Menschenrechtsorganisation auf ihrer Internetseite.

Allende: «Ein halber Sieg»
Amnesty forderte die Regierung in Santiago auf, das noch unter Pinochets Diktatur erlassene Amnestiegesetz aufzuheben und somit die Untersuchung tausender Fälle von Menschenrechtsverletzungen zu ermöglichen.

Für die Tochter des von Pinochet gestürzten früheren Präsidenten Salvador Allende ist der Tod des chilenischen Exdiktators Augusto Pinochet ein «halber Sieg». Sie bedauere, «dass die Justiz ihre Arbeit nicht zu Ende bringen konnte», sagte Isabel Allende dem französischen Radiosender RTL. «Ich denke natürlich an meinen Vater.» Salvador Allende tötete sich selbst, als er am 11. September 1973 von Pinochet zur Kapitulation gezwungen wurde.

Pinochet als Demokrat
Für das chilenische Volk und für alle seine Opfer wäre es sehr wichtig gewesen, dass Pinochet der Prozess gemacht worden wäre, sagte die sozialistische Politikerin Allende weiter. «Leider hat man es nicht geschafft. Leider ist er tot.»

Anhänger Pinochets sprachen dagegen von Verdiensten des verstorbenen Generals. Die konservative chilenische Partei «Unabhängige Demokratische Union» erklärte, die Regierung Pinochets habe «den Wiederaufbau einer Demokratie und der Institutionen ermöglicht, die bis in ihre Fundamente zerstört waren». Er habe das Land modernisiert und sei dabei verantwortungsvoll vorgegangen. (nz)