04.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Alexander Litwinenko auf dem Sterbebett
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Britische Beamte sind in Moskau eingetroffen, um weitere Spuren im Fall des vergifteten Ex-Agenten Litwinenko zu verfolgen. Der britische Innenminister spricht von einem «natürlichen» Vorgang.
Im Fall des vergifteten Ex-Agenten Alexander Litwinenko verlagert sich ein Teil der Ermittlungen nach Russland. Ein britisches Ermittlerteam ist am Montagabend in Moskau eingetroffen und hat die russischen Behörden offiziell um Rechtshilfe gebeten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte unterdessen am Montag in Brüssel vor Schäden in den bilateralen Beziehungen, falls der Fall weiter «politisiert» werde.
Die Moskauer Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, sie werde die neun britischen Beamten bei ihrer Arbeit unterstützen. Die britische Botschaft in Moskau bestätigte die Ankunft der Ermittler. Die Polizisten wollen mehrere Russen befragen, die offiziell nur als Zeugen geführt werden. Dazu gehört insbesondere der Geschäftsmann und ehemalige Geheimdienstler Andrej Lugowoj, mit dem sich Litwinenko am Tag des Giftanschlags getroffen hatte. Bei dem Gespräch in einer Londoner Hotelbar am 1. November waren auch zwei andere Russen dabei. Alle drei bestreiten jede Verwicklung in einen Anschlag.
Kein Gegenstand für MedienspekulatioinenLawrow sagte, Litwinenkos Tod solle von den zuständigen Behörden aufgeklärt werden und nicht Gegenstand von Medienspekulationen sein. «Die Sache hochzuspielen und von der Verwicklung offizieller Personen zu reden, ist unannehmbar», kritisierte Lawrow.
Der britische Innenminister John Reid, der ebenfalls in Brüssel seine EU- Kollegen über den Fall informierte, bezeichnete die Ermittlungen in Moskau hingegen als «natürlich». Reid sagte, britische Beamte würden neben Moskau auch überall sonst hin reisen, um den mysteriösen Tod des 43-jährigen Kreml-Kritikers vor eineinhalb Wochen aufzuklären.
Ermittlungen auch in ItalienDie amerikanische Bundespolizei FBI hat sich in die Ermittlungen bereits eingeschaltet. Reid schloss insbesondere die Entsendung britischer Ermittler nach Italien nicht aus - der italienische Forscher Mario Scaramella war einer der letzten, der mit Litwinenko vor dessen Erkrankung Kontakt hatte. Der italienische Außenminister Massimo D'Alema kündigte an, er werde den Fall am Dienstag bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ansprechen.
Scaramella hatte gesagt, er habe Litwinenko E-Mails gezeigt, die nahe legten, dass russische Agenten die Journalistin Anna Politkowskaja getötet haben. Bei Scaramella wurde ebenfalls das radioaktive Gift Polonium-210 nachgewiesen, an dem Litwinenko am 23. November starb.
Weiterer Ex-Spion will aussagenLitwinenko beschuldigte auf dem Sterbebett Putin, seine Ermordung in Auftrag gegeben zu haben. Putin wies dies energisch zurück.
In Moskau appellierten die Anwälte eines in Russland inhaftierten Ex-Spions an die britischen Behörden, ihren Mandanten in ihre Ermittlungen einzubeziehen. Der wegen Geheimnisverrats zu vier Jahren Haft verurteilte Michail Trepaschkin habe Litwinenko bereits vor einigen Jahren gewarnt, dass eine Todesschwadron des Kremls auf ihn angesetzt sei.
Es sei wichtig, dass die britischen Beamten eine Gesprächsmöglichkeit mit Trepaschkin bekämen. «Sein Leben ist in Gefahr, und er kann jede Nacht an Asthma sterben», sagte seine Anwältin Jelena Lipzer. Im Gefängnis in Mittelrussland werde seine Krankheit nicht angemessen behandelt. Sollten die Behörden Trepaschkin den Kontakt mit den britischen Ermittlern verweigern, «würde das bedeuten, dass sie versuchen, etwas zu verheimlichen». (nz)