03.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der mittlerweile gestorbene Litwinenko
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Ein tschetschenischer Exilpolitiker hat Russland beschuldigt, das radioaktive Polonium auf seine Tauglichkeit als Mordwaffe hin untersucht zu haben. Bei einem der Tests sei der Kommandeur Ismajow ums Leben gekommen.
Der in London lebende tschetschenische Exilpolitiker und Freund des vergifteten russischen Ex- Spions Alexander Litwinenko, Ahmed Sakajew, hat den russischen Geheimdienst FSB beschuldigt, schon vor einigen Jahren Tschetschenen mit Hilfe von Polonium 210 umgebracht zu haben. Diese «Versuche», bei denen beispielsweise der Kommandeur Letscha Ismajlow gestorben sei, hätten dazu gedient, Polonium 210 als Mordwaffe zu testen, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
Sakajew, ein enger Freund des mit Polonium ermordeten ehemaligen russischen Geheimdienstagenten und Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko, machte den russischen Präsidenten Waldimir Putin für die Ermordung Litwinenkos verantwortlich. Er halte nichts von der Theorie, dass es nur eine Gruppe innerhalb des Geheimdienstes gewesen sein soll, die Putin schaden wollte.
«Eine Operation von solchem Maßstab wird nicht ohne die Zustimmung der ersten Person im Staat durchgeführt», ist sich Sakajew sicher. Die Täter hätten sich darauf verlassen, dass man die Todesursache nicht herausfinden werde. Die Mörder hätten nicht damit gerechnet, dass Litwinenko, der körperlich extrem fit gewesen sei, so lange überleben würde.
Kontaktmann bangtDer russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow wies derartige Vermutungen zurück. Er sehe keine «logischen» Begründungen dafür, dass der frühere sowjetische Geheimdienst KGB oder sein Nachfolger FSB mit der Vergiftung Litwinenkos zu tun haben könne, sagte Iwanow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. Iwanow setzte sich für eine «objektive Untersuchung» des Todesfalles ein. Russland werde dazu «jede erdenkliche Hilfe» leisten.
In der Affäre um den Gifttod Litwinenkos bangt nun auch dessen italienischer Kontaktmann um sein Leben. Der 36-jährige Sicherheitsberater Mario Scaramella wurde nach der Entdeckung von radioaktiven Spuren im Urin unter Quarantäne gestellt. Sowohl bei Scaramella als auch bei Frau Litwinenko wurde im Urin die Substanz Polonium 210 gefunden, mit der der ehemalige russische Geheimagent vor einem Monat vergiftet worden war.
100-fache TodesdosisDas University College Hospital, wo auch Litwinenko behandelt worden war, widersprach Medienberichten, wonach Scaramella bereits im Sterben liege. Der Italiener sei gesundheitlich «wohlauf», sagte ein Sprecher. Befürchtet wird allerdings, dass er an Krebs erkranken könnte.
Die Obduktion von Litwinenkos Leichnam, die unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfand, wurde unterdessen abgeschlossen. Nach Informationen des «Guardian» enthielt der Körper eine 100-fach tödliche Polonium-Dosis. (nz)