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Bushs Partei droht schwerste Niederlage seit '92

03. Nov 2006 17:38
George W. Bush mitten im schwierigen Wahlkampf
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Kurz hatten die US-Republikaner im Wahlkampf wieder Hoffnung geschöpft: Demokrat Kerry hatte sich im Ton vergriffen. Doch nun wirft eine Affäre im rechten Lager Bushs Partei wieder zurück.

Laszlo Trankovits

Das konservative Amerika ist in der Defensive - die schlechten Nachrichten für das Lager von US-Präsident George W. Bush reißen auch kurz vor der Kongresswahl nicht ab. Am Freitag trat überraschend eine Hauptfigur der christlichen Rechten, der Präsident der US-Vereinigung der Evangelikalen, Ted Haggard, wegen eines Sex-Skandals zurück. Der verheiratete Geistliche und fünffache Vater soll jahrelang für homosexuelle Liebesdienste bezahlt haben. Haggard, dessen Verband 30 Millionen Christen repräsentiert, hatte stets entschieden gegen die Homo-Ehe gewettert und traditionelle Familienwerte beschworen.

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Die Haggard-Affäre ist nur ein weiterer Mosaikstein des derzeit düsteren Szenarios für die US-Rechten. Aber die Republikaner und Bush kämpfen mit enormem Einsatz gegen eine drohende Wahlniederlage und um die Macht auf dem Capitol - und die Demokraten halten dagegen.

Einer der schmutzigsten und teuersten Wahlkämpfe der US-Geschichte geht deshalb mit einem Trommelfeuer an Fernsehspots der Parteien in den Endspurt. Für die letzten Tage vor der Kongresswahl am Dienstag sollen 600 neue TV-Spots und Heerscharen von Wahlkampfhelfern die Wähler mobilisieren. Mit zwei Milliarden Dollar ist dieser Wahlkampf der «Washington Post» zufolge 400 Millionen Dollar teurer als der Kampf um die Präsidentschaft 2004.

Demokratischer Wahlsieg vorhergesagt

Die Abstimmung über 33 Senatssitze, 435 Abgeordnetenplätze, 35 Gouverneure sowie Tausende regionaler Volksvertreter und Spitzenbeamte wird als Referendum über den Irakkrieg und Bush angesehen. Die Demoskopen sagen einen demokratischen Wahlsieg voraus - ohnehin verliert in der Regel bei der Kongresswahl zwischen Präsidentschaftswahlen die Partei des Staats- und Regierungschefs. Bush muss nun aber sogar fürchten, dass die republikanischen Mehrheiten in beiden Häusern verloren gehen.

George W. Bush im Wahlkampf-Spot der Demokraten
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Bush steht im Zentrum dieses Wahlkampfs - allerdings vor allem in den Werbefilmen der Demokraten. Denn der Texaner ist laut Umfragen so unbeliebt wie noch nie, die US-Bürger tief unzufrieden mit dem scheinbar endlosen Blutvergießen im Irak. Also suchen Demokraten überall ihre Gegenkandidaten als besonders treue Gefolgsleute des Präsidenten darzustellen. Die von Skandalen gebeutelten Republikaner hoffen noch auf Wundermann Karl Rove, den Garanten vieler konservativer Wahlsiege seit den 90er Jahren. Die Fähigkeiten des wichtigsten Bush-Beraters zur Mobilisierung der Basis und seine Bereitschaft zum gnadenlos harten, zuweilen schmutzigen Wahlkampf haben ihn zum Heroen seiner Partei und zum gefürchteten Gegner der Demokraten gemacht.

Ein Wunder ist nötig

Aber diesmal brauchen die Republikaner wohl wirklich ein Wunder, um nicht die bitterste Wahlniederlage seit 1992 zu erleiden - die den ohnehin politisch angeschlagenen Bush in größte Nöte stürzen würde. Das Weiße Haus muss es deshalb als Geschenk des Himmels empfunden haben, als der demokratische Senator John Kerry wegen eines missglückten Witzes plötzlich an den Pranger gestellt werden konnte. Der unterlegene Bush-Herausforderer 2004 hatte mit seinem «Witz» den Eindruck erweckt, er glaube, nur die Trottel der Nation gingen zum Militär. Tagelang ging es im Wahlkampf nicht mehr um Kriegschaos und Ratlosigkeit im Weißen Haus, nicht um Sex-Skandale und Korruption bei den Republikanern, sondern um eine Lieblingsfrage der Rechten: wie unpatriotisch und elitär die Demokraten wirklich seien.

John Kerrys 'Witz' kam nicht gut an
Politisch mit dem Rücken an der Wand waren es vor allem die Republikaner, die tief in die Kiste der Negativ-Werbung und des schmutzigen Wahlkampfs griffen: haltlose Vorwürfe wegen sexueller Verfehlungen, rassistische Anspielungen und Diffamierungskampagnen gehörten zu den unappetitlichen Ingredenzien eines teilweise vergifteten Wahlkampfs. Aber die meisten Kommentatoren der US-Medien glauben, dass angesichts der Enttäuschung und des Zorns über Bush und seine Republikaner ein Sieg der Demokraten bevorsteht.

Bush hilft es offenbar auch kaum, dass die US-Wirtschaft solide ist, die Arbeitslosigkeit sich auf einem Rekordtief und die Aktien auf einem Höchststand befinden. Also droht Bush schon zwei Jahre vor Ende seiner Amtszeit eine politisch «lahme Ente» zu werden. Trotzig betonte er am Donnerstag: «Wir werden Senat und Repräsentantenhaus gewinnen.» Aber wenn nicht, wird das Regieren noch viel schwerer. (dpa)

 
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