Technische Probleme vor US-Kongresswahl
02.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
James H. Webb könnte bei der Senatswahl in den USA am Dienstag eine Schlüsselrolle spielen. Ohne seinen Sieg im Bundesstaat Virginia haben die Demokraten keine Chance, den Republikanern die Mehrheit in der Kongresskammer abzujagen.
Webb kann nur hoffen, dass jeder, der für ihn stimmen will, genau weiß, dass er «James» ist - auch ältere Wähler, die es ohnehin schwerer haben als die Jungen, mit den elektronischen Wahlautomaten umzugehen.
Ein Rekordanteil von 90 Prozent der schätzungsweise mehr als 80 Millionen Wähler wird am Dienstag mit Hilfe elektronischer Geräte votieren. Das sind Computer, bei denen die Stimme direkt durch Berühren des Bildschirmes abgegeben wird, oder Maschinen, die manuell - etwa durch Ausfüllen von Kreisen per Bleistift - abgegebene Stimmen erfassen und zählen.
Im dortigen Bezirk mit 1,3 Millionen Wählern führte ein falsches Design der Wahlzettel dazu, dass die mit der Hand ausgefüllten Listen nicht per Scanner gelesen werden konnten. Das Ergebnis: Die Auszählung verzögerte sich um sechs Tage. Hinzu kamen vermisste Code-Karten, die den Zugang zu den Wahlmaschinen ermöglichen, falsch zugeordnete Passwörter und Fehler bei der elektronischen Speicherung der Wählerlisten: Am Ende gab es hunderte mehr Stimmen als Wahlberechtigte.
Zum Glück gab es neben dem elektronischen Ergebnis einen Papier-Ausdruck der Stimmen, so dass der Fehler korrigiert werden konnte. Jedoch nur 35 US-Staaten mit elektronischen Maschinen sichern sich derart ab. Aber nicht nur technische Probleme und menschliches Versagen haben das Vertrauen vieler Wähler erschüttert. Computer-Wissenschaftler warnen schon seit längerem vor der Hacker-Anfälligkeit von Wahlmaschinen.
Und zu allem Überfluss sind nun auch Spekulationen aufgekommen, dass jemand die Hände im Kongress-Spiel haben könnte, der kürzlich Präsident Bush vor der UN als Teufel bezeichnet hat: der venezolanische Präsident und USA-Hasser Hugo Chavez. Es geht um die Firma Sequoia Voting Systems Inc, die mindestens zwölf US-Staaten mit Wahlautomaten versorgt. Nach Medienberichten wird Sequoias Mutterunternehmen Smartmatic Corp. von Venezolanern kontrolliert, und eine US-Behörde untersucht zurzeit die Verbindungen. Im März hatten bei der Kongress-Vorwahl in Chicago (Illinois) von Sequoia gelieferte Automaten nicht funktioniert. (dpa)

