Der unberechenbare Diktator
09. Okt 2006 15:47
 |  Kim Jong Il | Foto: AP |
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Wer ist Kim Jong Il wirklich? Über den nordkoreanischen Machthaber ist nicht viel bekannt. Die meisten Informationen stammen aus der Propagandamaschine seines Landes.
Von Dirk GodderSein Volk hat Kim Jong Il von der Außenwelt isoliert und sein Land an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht. Zugleich befehligt der nordkoreanische Machthaber trotz der Hungersnöte in seinem Herrschaftsgebiet eine der zahlenmäßig größten Armeen auf dem Globus und hält mit seiner Atompolitik die Welt in Atem. Während er in ausländischen Medien zum Teil dämonisiert wurde, wird der 64-Jährige, dessen Geburtstag am 16. Februar als Nationalfeiertag begangen wird, in Nordkorea noch immer als eine Art Halbgott verehrt. Um einem Machtverlust des «Geliebten Führers» und seines Regimes vorzubeugen, werden die Menschen ständig durch den Staatsapparat kontrolliert.
Der kleinwüchsige Mann mit der großen Brille bleibt für Beobachter eine rätselhafte und widerspruchsvolle Erscheinung, über den es kaum verlässliche Informationen gibt. Während er außerhalb seines geschlossenen Machtbereichs als unberechenbare Größe gilt, charakterisierte ihn der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung als jemand mit «gesundem Menschenverstand», der sehr wohl wisse, was in der Welt vorgeht.
Portraits in fast allen Wohnungen
Für die 22 Millionen Einwohner Nordkoreas ist Kim allgegenwärtig. In den den offiziellen Medien wird er als Revolutionär und «Genie in Literatur, Kunst und Kriegskunst» gepriesen. Porträts von ihm und seinem Vater und «ewigen Präsidenten» Kim Il Sung, von dem er die Macht und auch den Personenkult übernommen hat, hängen fast in allen öffentlichen Gebäuden und Privatwohnungen. Sein Leben sollte in den Augen des Außenstehenden für die Nordkoreaner eigentlich vertraut sein. Doch sowohl das Privatleben und seine Beziehungen zu Frauen als auch das Leben seiner Kinder sind für die Medien in Pjöngjang tabu.
Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze des stalinistischen Staates wird auch über Kims Politik oftmals nur spekuliert. Dabei legt sich der Machthaber, der im Ausland als Exzentriker und Liebhaber von Hollywoodfilmen gilt, seit langem mit der Supermacht USA an. Nach der in Pjöngjang verbreiteten Lesart ist ein eigenes Atomwaffenarsenal die einzige Sicherheit dafür, dass die USA das Land nicht angreifen.Das meiste, was die Außenwelt über den im Schatten des «Übervaters» Kim Il Sung aufgestiegenen Machthaber weiß, stammt aus dem unerschöpflich scheinenden Propaganda- Arsenal Pjöngjangs. Die Abschottung des Landes förderte jedoch Spekulationen im Ausland und ein Negativbild Kim Jong Ils. In den westlichen Medien wurde Kim, der an einer Herzschwäche leiden soll, oft als Lebemann dargestellt, der gutes Essen, Autos und schöne Frauen liebt und dem Alkohol zugetan ist. Auch wurde Kim eine zwielichtige Rolle bei der Planung von Terroranschlägen gegen Südkorea nachgesagt. Pjöngjang tat solche Berichte stets als westliche Verleumdungspropaganda ab.
Wichtiger Schritt in Richtung Aussöhnung
In Erinnerung der Koreaner wird das historische Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Kim Dae Jung im Juni 2000 in Pjöngjang bleiben. Das Treffen verlieh dem nordkoreanischen Machthaber ein neues Gesicht. Mit ihrem Treffen taten beide koreanischen Staatschefs einen wichtigen Schritt in Richtung Aussöhnung. Dieser Annäherungskurs erlebte aber immer wieder Rückschläge. Ob Kim tatsächlich Atomwaffen einsetzen kann, kann zurzeit außerhalb Nordkoreas wohl niemand sagen. (dpa)