Am späten Abend war es der Polizei zunächst noch gelungen, einen ersten Angriff der Demonstranten auf das Fernsehgebäude abzuwehren. Danach griffen die Sicherheitskräfte aber nur noch sporadisch in das chaotische Geschehen ein. Die Feuerwehr konnte deshalb die brennenden Fahrzeuge zunächst nicht löschen. Die Flammen griffen auch auf einen Teil des Fernsehgebäudes über. Die ersten Demonstranten drangen schließlich kurz nach 1 Uhr in das Gebäude ein. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellte daraufhin den Sendebetrieb auf seinen beiden Kanälen ein.Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany sagte im privaten Fernsehsender TV 2, dass sich die politischen Probleme nicht auf der Straße lösen ließen. «Die Straße macht die Probleme nur schlimmer», fügte er hinzu. Die Passivität der Polizei begründete er damit, dass zum Zeitpunkt der Eskalation nicht genügend Sicherheitskräfte zur Verfügung gestanden hätten.
Der Sprecher des rechts-konservativen Bundes Junger Demokraten (Fidesz), Peter Szijjarto, rechtfertigte die gewalttätigen Protestierer indirekt. «Die Menschen wurden von äußerster Verzweiflung und Verbitterung überwältigt, nachdem sie erkannt hatten, dass die Regierung im Interesse des Machterhalts gelogen hatte», sagte er in Interviews. Die Fraktionschefin der Sozialistin, Ildiko Lendvai, betonte, dass alle Parteien nun die Aufgabe hätten, «ihre Anhänger von der Straße zu rufen».
Trotz der Ausschreitungen gibt es für Touristen in Ungarns Hauptstadt Budapest derzeit offenbar kein höheres Sicherheitsrisiko: Nach Einschätzung der deutschen Botschaft vor Ort bestehe kein Anlass, die Sicherheitslage anders einzuschätzen als bisher, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Es gibt für Ungarn daher auch weiterhin keinen «länderspezifischen Sicherheitshinweis» auf der Homepage der Behörde.(nz)