08. Sep 2006 18:42
Die nationalistische polnische Regierungspartei LPR plant, das Recht der deutschen Minderheit auf eine eigene Vertretung im Parlament aufzuheben. Ministerpräsident Kaczynski signalisierte bereits Zustimmung.
Der polnische Erziehungsminister und LPR-Vorsitzende Roman Giertych bestätigte am Freitag, seine Partei wolle die Aufhebung der Fünf-Prozent-Klausel für die Abgeordneten der deutschen Minderheit rückgängig machen. Sein Parteikollege Janusz Dobrosz begründete dies (fälschlich) mit dem Prinzip der Gegenseitigkeit - in Deutschland werde keiner Minderheit ein Bundestagsmandat zugestanden, wenn sie nicht über die Fünf-Prozent-Hürde komme.Die Zeitung «Rzeczpospolita» berichtete in ihrer Freitagausgabe, auch Abgeordnete der führenden Partei der Regierungskoalition, der nationalkonservativen Recht und Gerechtigkeit (PiS), betrachteten das Privileg der deutschen Minderheit auf eigene Abgeordnete im Parlament als Verstoß gegen die Verfassung. Zudem würden, so einige PiS-Politiker, die in Deutschland zum Teil seit weit über 100 Jahren lebenden Polen nicht als nationale Minderheit anerkannt. Auch Kaczynski warf am Freitag Deutschland vor, die Bestimmungen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages nicht einzuhalten und eine Assimilierungspolitik zu betreiben.