Russland will Proteste bei G8-Gipfel verhindern
Russland steht im Mittelpunkt, wenn Präsident Wladimir Putin am Wochenende die Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen der Welt willkommen heißt. Der G8-Gipfel kommt zu einer Zeit, da Moskau seinen neuen Einfluss in der Welt feiert - und gleichzeitig vom Westen so stark kritisiert wird wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr.
Der G8-Gipfel, der am Samstag in St. Petersburg beginnt, ist der Höhepunkt von Russlands bemerkenswertem wirtschaftlichen Comeback. Die Gäste werden von Bannern mit der Aufschrift «Das Land der Möglichkeiten» begrüßt. Ihnen soll Russlands Boom vor Augen geführt werden.
Zum wichtigsten Thema des Gipfels hat Putin die Sicherheit der Energieversorgung erklärt und damit Russland mit seinen großen Energieressourcen und seinen langfristigen Verträgen mit westlichen Märkten in den Mittelpunkt gerückt.
«Überall dort, wo man staatliche Unternehmen hat, hört die Sicherheit auf und die Gefahr beginnt», sagt Putins ehemaliger Berater Andrej Illarionow. Er hat seinen Posten aus Protest gegen Russlands «Rückschritte bei der Freiheit» aufgegeben. «Ein Staatsmonopol ist ein Energierisiko für die Welt. Es ist eine Bedrohung, wenn die Energieversorgung jeden Augenblick aus politischen Gründen unterbrochen werden kann», meint er.
Putin selbst brachte die Preisanhebung mit der Revolution in Verbindung. «Unsere Freunde (im Westen) haben die orangenen Ereignisse in der Ukraine unterstützt», sagte er in einem Interview. «Und wer die Entwicklungen dort weiter unterstützen will, muss eben dafür bezahlen.»
«Wenn die sieben anderen nicht deutlich machen, dass ihnen das missfällt, und in Russland demokratische Strukturen nicht wieder gestärkt werden, werden diese sieben Länder mit Russlands mangelnder Demokratie ein großes Problem bekommen», warnt Juri Wdowin, ein Bürgerrechtler aus St. Petersburg.
Globalisierungsgegner und andere Aktivisten wollen auch bei diesem Gipfel wieder demonstrieren. Die Behörden in St. Petersburg haben die Genehmigung für eine Versammlung in einem Stadion erteilt, das weit ab vom Gipfelort liegt. Gleichzeitig haben sie angekündigt, nicht genehmigte Proteste sofort zu unterbinden.
Die Organisatoren des Gegen-Gipfels in St. Petersburg erwarten etwa 2000 Menschen. Durch die Schikanen der Polizei könnten es aber auch deutlich weniger werden: Berichten von Bürgerrechtsgruppen zufolge werden in verschiedenen Regionen Russlands Aktivisten daran gehindert, Züge nach St. Petersburg zu besteigen. (AP)

