Milizen rekrutieren Kindersoldaten in Ost-Kongo
12.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der Begriff Kindersoldaten ist in Deutschland Reizwort in der Debatte über den Bundeswehreinsatz im Kongo. Verkannt wird dabei häufig die Realität in dem zentralafrikanischen Land mit seinen 2,3 Millionen Quadratkilometern (Bundesrepublik: 357.000 Quadratkilometer). Die Frage, ob deutsche Soldaten möglicherweise von Kindersoldaten bedroht werden könnten und dann gezwungen wären, auf diese zu schießen, scheint für den Einsatz in der Hauptstadt Kinshasa sehr theoretisch. Militärische Gruppen, die Kinder rekrutieren, gibt es vor allem im Osten des Landes.
Wenn Kinderkämpfer aus dem Busch herauskommen und ihre Waffe abgeben, sind sie noch längst nicht außer Gefahr. «Da es nur wenige Programme zur Wiedereingliederung gibt, sind die Kinder häufig weiterhin Schikanen ausgesetzt», heißt es in dem UN-Bericht. «Sie laufen Gefahr, erneut zwangsrekrutiert zu werden, oder ihre früheren Anführer erpressen Geld von ihnen.»
Viele Kinder sind in hierarchisch geführten Banden organisiert und neigen schnell zur Gewalt. Manche lungern an Straßenkreuzungen herum und versuchen, den Autofahrern Tüten mit Trinkwasser oder Telefonkarten zu verkaufen. Nachts sammeln sich viele vor den Clubs und Restaurants, die von UN-Soldaten und weißen Geschäftsleuten besucht werden und drängen sich als Parkwächter auf. Viele minderjährige Mädchen bieten sich für zwei, drei Dollar oder Lebensmittel an.
Der Appell des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, alle Kinder aus den bewaffneten Gruppen zu entlassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, verhallte bislang ergebnislos. Es wird die Aufgabe der neuen kongolesischen Regierung sein, sich dieses Problems anzunehmen. (dpa)

